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Die Lufthansa hat es mit verschiedenen Gewerkschaften zu tun, die unterschiedliche Berufsgruppen im Konzern vertreten. In den vergangenen Monaten streikten zunächst die Flugbegleiter, im Anschluss die Piloten.

Im streikgeplagten Luftverkehr

Ufo will Luftfahrtgewerkschaft gründen

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Frankfurt - Während die Bundesregierung ein Gesetz zur Tarifeinheit plant, könnte es im streikgeplagten deutschen Luftverkehr bald eine neue Gewerkschaft geben.

Die Flugbegleiter-Vereinigung Ufo will alle kleinen Gewerkschaften der Branche zu einer großen Luftfahrtgewerkschaft zusammenschließen.

In kaum einer Branche gibt es so viele Gewerkschaften wie im deutschen Luftverkehr. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) vertritt das Kabinenpersonal, die Vereinigung Cockpit (VC) die Piloten. In der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) sind Fluglotsen und Flugzeugeinweiser organisiert. Die Gewerkschaft Verdi vertritt vor allem das Bodenpersonal. Geht es nach der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo soll es bald eine neue Gewerkschaft geben: In der Industriegewerkschaft Luftfahrt (IGL) sollen sich die kleinen Gewerkschaften der Branche zusammenschließen.

Geplant sei eine tariffähige eigene Gewerkschaft, in der alle Mitarbeiter der Luftfahrt Mitglied werden können, teilte Ufo gestern mit. Dabei sollen berufspolitische Themen weiterhin in den Einzelverbänden und -gewerkschaften behandelt werden, während die Tarifmacht bei der IGL gebündelt werden soll. „Die Idee ist bereits sehr konkret – wir wollen sie jetzt gemeinsam mit den anderen Verbänden und Gewerkschaften mit Leben füllen“, erklärte Nicoley Baublies, Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, gestern gegenüber unserer Zeitung.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte Ufo die möglichen Partner über die Pläne informiert – neben GdF und VC auch die bislang nicht tariffähige Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (Agil). Die ersten Reaktionen waren sehr unterschiedlich. „Wir sehen keine Notwendigkeit, uns mit anderen Gewerkschaften zusammenzutun“, teilte Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, unserer Zeitung mit. „Wir sehen keine gemeinsamen Interessen oder Überschneidungen.“ Zudem seien die Pläne von Ufo unausgegoren.

Bereitschaft signalisierten gestern dagegen die Gewerkschaften Agil und GdF. „Ufo und Agil führen schon seit Monaten Gespräche und bereiten sich gemeinsam auf eine mögliche Gesetzesänderung zur Tarifeinheit vor“, so Wilfried Schmitz von Agil. Ziel der Agil sei es, eine starke und geschlossene Vertretung aller Arbeitnehmer im Luftverkehr zu sein. „Aus diesem Grund kooperieren wir mit der Ufo.“ Auch bei der GdF bestehe Interesse, hieß es gestern auf Anfrage. Gespräche mit Ufo seien in Vorbereitung.

Bei der Lufthansa hieß es gestern: Die Absichtserklärung einer Gewerkschaft kommentiere man nicht.

Die Gewerkschaft Verdi, die bislang als stärkste Gewerkschaft im Lufthansa-Konzern gilt, sieht sich dagegen von den Flugbegleitern herausgefordert. „Wir werten das Ufo-Vorhaben als Kampfansage, sehen den Bestrebungen jedoch gelassen entgegen“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle laut Mitteilung. Behle, die im Lufthansa-Aufsichtsrat stellvertretende Vorsitzende ist, bezeichnete die Pläne als „Machtspiel auf Kosten vieler Beschäftigter“. Ufo treibe die Spaltung der Belegschaft voran.

Im Rahmen der Diskussion um die geplante Tarifeinheit betonte Ufo-Chef Baublies, der Vorstoß sei nicht in erster Linie eine Reaktion auf die Pläne der Bundesregierung. Es gehe vielmehr um ein solidarisches Handeln für Kollegen in den bislang gewerkschaftlich schwach organisierten Luftverkehrsbereichen. Dazu gehöre etwa das bislang von Verdi vertretene Personal am Boden.

In der Tat sind sich viele Experten einig, dass das geplante Gesetz zur Tarifeinheit kaum Auswirkungen auf die Gewerkschaften in der Luftfahrt hätte. Im Wesentlichen vertritt Verdi das Bodenpersonal, Ufo die Flugbegleiter und VC die Piloten. Fachlich gibt es hier kaum Überschneidungen. Im Lufthansa-Konzern gilt bisher Verdi als stärkste Gewerkschaft. In der Passage dominiert die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Am Ende wird entscheidend sein, wie der Grundsatz „ein Betrieb – ein Tarifvertrag“, der im Gesetz zur Tarifeinheit verankert werden soll, im Einzelfall ausgelegt wird. De facto besteht der Lufthansa-Konzern aus hunderten einzelnen Firmen.

Manuela Dollinger

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