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Mitarbeiter von Amazon stehen am 22. September vor dem Handelszentrum des Versandhändlers in Graben. Die Gewerkschaft Verdi fordert die Anerkennung der Tarifverträge des Handels.

An vier Standorten

Streiks bei Amazon haben begonnen

Graben - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Amazon-Beschäftigten ab Montag an vier Standorten in Deutschland zu einem Streik aufgerufen.

An den Verteilzentren in Leipzig und Bad Hersfeld begann der Ausstand bereits mit der Nachtschicht um Mitternacht, wie Verdi-Sprecher am frühen Montagmorgen sagten. An den Standorten in Graben bei Augsburg und im nordrhein-westfälischen Rheinberg lief der Streik zur Frühschicht ab etwa 05.00 Uhr an. Die Beschäftigen wurden aufgerufen, die Arbeit bis zum Dienstagabend niederzulegen.

„Der Leistungsdruck nimmt mittlerweile unmenschliche Züge an“, sagte Verdi-Streikleiter Thomas Gürlebeck am Sonntag. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte laut einer Mitteilung: „Amazon weigert sich weiterhin, das in Deutschland gesetzlich garantierte Recht der Beschäftigten auf einen Tarifvertrag anzuerkennen.“

Laut der Gewerkschaft klagen Beschäftigte in den Amazon-Versandzentren über eine hohe Anzahl von Befristungen, extremen Leistungsdruck und unzureichende Arbeits- und Pausenregelungen. Zudem bekämen die Mitarbeiter zum Teil mehrere Hundert Euro weniger, als ihnen nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels zustehen würden.

Verdi versucht seit mehr als einem Jahr, den weltgrößten Online-Versandhändler mit Streiks an verschiedenen Standorten zu Tarifverhandlungen zu den Bedingungen des Einzelhandels zu bewegen. Amazon lehnt das jedoch ab und sieht sich selbst als Logistiker. Das Unternehmen beschäftigt an bundesweit neun Standorten mehr als 9000 Mitarbeiter.

Kunden noch nicht betroffen

Die Gewerkschaft Verdi will die Streiks ausdehnen. Amazon werde insbesondere dann Schwierigkeiten mit der Bewältigung seines Geschäfts bekommen, wenn weitere Standorte hinzukommen, sagte Mechthild Middeke von Verdi Hessen am Montag in Bad Hersfeld: „Die Standorte in Werne und Koblenz könnten demnächst dazukommen. Derzeit werden dort die Voraussetzungen geschaffen. Zum Weihnachtsgeschäft wollen wir zu einem Paukenschlag ausholen.“

In Werne (NRW) und Koblenz (Rheinland-Pfalz) seien Tarifkommissionen gegründet worden, die weitere Maßnahmen beschließen könnten, berichtete Middeke. „Wir haben im Vergleich zu den vorigen Aktionen schon jetzt einen Gang zugelegt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies keine Auswirkungen auf die Betriebsabläufe bei Amazon hat.“

Am Montag hatten bundesweit erstmals an vier Amazon-Standorten Beschäftigte parallel die Arbeit niedergelegt. Amazon erklärte, die Mehrheit der Mitarbeiter sei regulär zur Arbeit gekommen. Der Streik habe keine Auswirkungen auf die Belieferung der Kunden gehabt.

Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld beteiligten sich nach Verdi-Angaben bis zum Vormittag zunächst 400 Mitarbeiter am Ausstand. Betroffen waren auch Leipzig, Graben (Bayern) und Rheinberg (NRW). Mit den Streiks soll Amazon zum Start von Tarifverhandlungen bewegt werden, die sich an den Bedingungen des Einzelhandels orientieren.

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dpa

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