Streit um AEG-Werk: IG Metall und Electrolux trippeln aufeinander zu

- Nürnberg - Nach wochenlangem Stillstand zeichnen sich in den Verhandlungen über das bestreikte AEG-Werk in Nürnberg erstmals Fortschritte ab. Sowohl der Europa-Chef von Electrolux, Horst Winkler, als auch der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer erklärten, bei Gesprächen am Montag habe es Bewegung gegeben. Dennoch ist offenbar auch ein Vermittler im Gespräch, der im Streit um einen Sozialtarifvertrag für die 1700 betroffenen Mitarbeiter helfen soll.

Aus dem Umfeld von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verlautete, die Einsetzung eines Vermittlers sei in den vergangenen Tagen erneut Thema persönlicher Gespräche mit Electrolux-Chef Hans Stråberg und Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer gewesen. Die Gespräche mit beiden Seiten seien "sehr konstruktiv und ergebnisorientiert verlaufen", hieß es. Die Verhandlungen zwischen Electrolux und der Gewerkschaft werden bereits am heutigen Dienstag fortgesetzt.

Electrolux will das traditionsreiche Werk schließen und die Fertigung teilweise nach Polen verlegen. Der schwedische Konzern hat für die Mitarbeiter bisher Abfindungen und Qualifizierungen im Volumen von rund 100 Millionen Euro angeboten. Die IG Metall fordert jedoch das Vierfache, weswegen die Fabrik seit einem Monat bestreikt wird. Als Folge davon kommt es bereits zu Lieferproblemen.

"Wir haben uns beide bewegt", unterstrich Winkler nach Ende der Gesprächsrunde am Monatgnachmittag. Er nannte die Gespräche "sehr konstruktiv". Der hochrangige Electrolux-Manager saß erstmals selbst am Konferenztisch, nachdem die IG Metall einen gegnerischen Verhandlungsführer "mit Entscheidungskompetenz" gefordert hatte. Winkler zeigte sich zufrieden, "dass wir die Themen jetzt inhaltlich angehen". Es gebe jedoch noch große Hürden. So sei die Ausgestaltung der geplanten Beschäftigungsgesellschaft eine "sehr schwierige Frage". Es komme nun darauf an, Brücken zu bauen.

Die Verhandlungen sollen am heutigen Dienstag fortgesetzt werden. Neugebauer sagte, er hoffe, "dass wir die Trippelschritte dann verbreitern". Der Konzern habe sich etwas bewegt, räumte er ein. In den entscheidenden Fragen der Beschäftigungsgesellschaft sowie der Höhe der Abfindungen sei man aber noch immer "meilenweit auseinander". Vor dem AEG-Werk bekundeten am Montagnachmittag mehr als 4000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ihre Solidarität mit den seit einem Monat streikenden AEG-Arbeitern.

IG Metall und Electrolux hatten sich in der vergangenen Woche darauf verständigt, vorrangig über das AEG-Stammwerk zu verhandeln. Die Suche nach Lösungen für die vier ausgegründeten Servicegesellschaften Logistik, Ersatzteile, Kundendienst und Vertrieb wurde zurückgestellt. Dabei geht es um die Rückkehr zur Tarifbindung der Metallindustrie. Die AEG-Logistik wird seit dem 27. Januar bestreikt.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Arbeitsmarkt-Experte Jörg Rohde warf unterdessen der IG Metall vor, mit ihrer Boykott-Haltung im Fall von AEG Steuer- und Beitragszahler monatlich mit Millionen von Euro zu belasten. So habe sich der Krankenstand bei AEG seit Streikbeginn auf 30 Prozent erhöht. Zudem entgingen Rentenversicherungen und Krankenkassen Beiträge in Höhe von mehreren hunderttausend Euro pro Monat. Hinzu kämen Einnahmeausfälle bei der Lohnsteuer. Streikgelder sind steuerfrei.

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