Streit um Ausbildungspakt: Wirkt er oder wirkt er nicht?

- Berlin - Während die Bundesagentur für Arbeit die Lage auf dem Lehrstellenmarkt trotz des Ausbildungspaktes von Bundesregierung und Wirtschaft als angespannt bezeichnet, hat sich Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, positiv geäußert: "Der Pakt wirkt." Seit Jahresbeginn hat die IHK Braun zufolge in einer "enormen Kampagne" 18 900 Ausbildungsplätze angeworben.

<P>Ende Juli sei bei den neuen Ausbildungsverträgen ein Zuwachs von 3,9 Prozent verzeichnet worden. Dies seien rund 7500 mehr als im Vorjahr. Die deutsche Wirtschaft hatte sich kürzlich verpflichtet, bis Jahresende 30 000 Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Dennoch bedeutet dies nicht, dass am 30. September alle Ausbildungswilligen eine Lehrstelle haben. Braun betonte, dass die negative Arbeitsmarktentwicklung sich auch auf die Ausbildungsplätze auswirke. Er geht davon aus, dass im vergangenen Jahr etwa 18 000 Lehrstellen durch Pleiten oder Abwanderung der Firmen ins Ausland weggefallen sind. <BR>"Neue Ausbildungsplätze sind deshalb keine zusätzlichen Plätze." Braun rechnet, wie viele Experten, mit einer Lücke von 20 000 bis 30 000 Plätzen. Rund 20 000 Lehrstellen-Suchende waren im September 2003 ohne Ausbildungsplatz. Der stellvertretende Bundesagentur-Präsident Heinrich Alt schloss nicht aus, dass diese Zahl heuer noch übertroffen werden könnte.</P><P>Ausbildungswillige, die leer ausgegangen sind, sollen Braun zufolge ab Oktober in einem "Kompetenzcheck" auf ihre Qualifizierung überprüft werden und danach "als Mindestziel" einen Praktikumsplatz vermittelt bekommen. Laut Pakt soll die Wirtschaft 25 000 Plätze zur Verfügung stellen. Braun musste jedoch einräumen, dass nur 5000 vorhanden seien, hauptsächlich von Betrieben, die ohnehin viel ausbilden. </P><P>Der 30. September sei für den Erfolg des Paktes generell nicht entscheidend. "Wir können erst zum Jahresende bilanzieren." Braun will bemerkt haben, dass die abwartende Haltung vieler Unternehmen während der Diskussion um die Ausbildungsplatzabgabe einer optimistischeren Grundstimmung gewichen ist. Dies zeige sich auch im Aufwand, der für die Gewinnung neuer Ausbildungsplätze betrieben worden sei. Etwa 396 000 Betriebe seien schriftlich, 90 000 telefonisch und 68 000 persönlich angesprochen worden.</P><P>Wie Braun geht auch Handwerks-Präsident Dieter Philipp davon aus, dass die geforderten 30 000 neuen Lehrstellen zum Jahresende sogar übertroffen werden. Bis Ende Juli wurden in seinem Bereich 6202 Betriebe neu als Ausbilder gewonnen. Die Bilanz der Bundesagentur sieht weniger erfreulich aus: Ende Juli - vier Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres - waren bei den Arbeitsämtern noch immer 238 260 Jugendliche auf Lehrstellensuche. Ihnen standen 75 869 offene Plätze gegenüber. Firmen und Verwaltungen haben bisher 438 540 betriebliche Lehrstellen angeboten - 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr.<BR>Auch die Gewerkschaften zogen eine negative Zwischenbilanz für den Ausbildungspakt. Er werde keine Trendwende bringen, kritisierte die IG Metall. Auch der DGB betonte, es gebe "keinen Grund für voreilige Jubelmeldungen". </P>

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