Streit der Bosse: Wie marode war EnBW?

- Karlsruhe - Im Streit um den Zustand des Energiekonzerns EnBW bei der Übernahme durch den neuen Chef Utz Claassen (41) hat sein Vorgänger jetzt einen Punktsieg errungen. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie seit März gegen Claassen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ermittelt. Die Behörde kennt sich in dem Thema aus: Wegen des selben Verdachts wird schon länger gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll (62) ermittelt.

<P>Kern des Streits zwischen den ungleichen Energiebossen ist die Frage: Wie marode war EnBW beim Machtwechsel vor zwei Jahren? Nach der Halbjahresbilanz 2003, die Claassen kurz nach seinem Amtsantritt vorlegte, ziemlich: Er entdeckte Ertragsrisiken, die vorher nicht gesehen worden waren. Nach seiner Rechnung klaffte in der Bilanz ein Loch von rund einer Milliarde Euro.</P><P>Goll räumte Probleme ein. Um im liberalisierten Strommarkt mit Konkurrenten wie RWE oder Eon mithalten zu können, hätten Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptaktionäre aber einen Wachstumskurs für nötig gehalten. Für die Schieflage des Konzerns machte Goll vor allem den französischen Großaktionär Electricité´ de France verantwortlich, der Finanzzusagen in zweistelliger Milliardenhöhe nicht eingehalten habe.</P><P>Nach EnBW-Angaben sind die staatsanwaltlichen Ermittlungen haltlos. Sie basierten "schon im Ansatz auf völlig falschen Annahmen". Falls nicht, hätte Claassen ein Problem: Sein strenger Sanierungskurs kostete jede Menge Arbeitsplätze. Sein bei Aktionären umstrittenes Gehalt von 4,17 Millionen Euro im Jahr 2004 wird im Geschäftsbericht auch mit der "deutlich veränderten Ergebnissituation" begründet.</P>

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