Streit um "falsche Zahlen": Machtkampf bei der HVB

- München - Die Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische Unicredit lief lange ungewöhnlich glatt und harmonisch ab. Jetzt aber gärt es gewaltig in der Führungsetage der HVB. Die deutsche Privatkunden-Chefin Christine Licci beklagte in einer E-Mail an ihre Mitarbeiter, dass in der vergangenen Woche ein falsches Betriebsergebnis für Deutschland veröffentlicht worden sei. "Unsere vielfältigen Fortschritte, die ich auch in der Öffentlichkeit schon angesprochen hatte, wurden deshalb angezweifelt." In der Bank sorgte das für erhebliche Verstimmung.

Hintergrund der Irritationen sind zwei offene Führungsfragen. Branchenbeobachter befürchten, dass führende HVB-Manager daraus nicht mehr unbeschadet hervorgehen werden. Die Top-Personalien müssen gleich am Anfang geklärt werden, lautet eine der goldenen Regeln für erfolgreiche Fusionen. HypoVereinsbank und Unicredit hielten sich nur teilweise daran. Zwar ist klar, dass HVB-Chef Dieter Rampl den Aufsichtsrat der neuen Großbank führen soll und Unicredit-Chef Alessandro Profumo Vorstandsvorsitzender bleibt. Auch sind fast alle Vorstandsposten schon vergeben. Allerdings ist weiter offen, wer Unicredit-Firmenvorstand wird und wer als Nachfolger Rampls Vorstandsvorsitzender der dann etwas weniger wichtigen HypoVereinsbank AG wird.

"Es drohen Zerfallserscheinungen, bei denen jeder gegen jeden wettert."

Ex-Mitarbeiter der HVB

"Das bringt viel Unruhe in die Bank", sagt ein Aufsichtsrat. Kandidaten für den Vorstandsvorsitz sind HVB-Firmenkundenvorstand Johann Berger und Privatkundenchefin Licci. Laut Finanzkreisen gilt es als ausgemacht, dass die Südtirolerin den Posten zusätzlich zu ihrer bisherigen Funktion bekommt. Da Rampl und Profumo sich bisher aber nicht öffentlich zu ihr bekannt haben, läuft eine Hängepartie, die bis Oktober dauern soll.

"Es ist wahrscheinlich, dass der von den beiden, der nicht Chef wird, die Bank verlassen wird", sagt ein HVB-Manager. Da beide eigentlich als Hoffnungsträger galten, wird jetzt auch die Kritik an Rampl lauter, der die Hängepartie zulässt. "Es drohen Zerfallserscheinungen, bei denen jeder gegen jeden wettert, wenn die Entscheidung nicht bald gefällt wird", sagt ein Ex-Mitarbeiter aus dem Umfeld des Vorstands.

Da zuletzt Kritik an Licci laut wurde, ging die Südtirolerin mit ihrer E-Mail in die Offensive. Die 41-Jährige hatte erfolgreich das Privatkunden-Geschäft der Citibank geführt und war Anfang des Jahres mit vielen Vorschusslorbeeren zur HVB gekommen. Dass die Aufgabe nicht leicht werden würde, war von Anfang an klar. In den vergangenen Jahren hat die HVB zwar immer wieder die Führung ausgetauscht, mit dem Privatkundengeschäft aber kein Geld verdient. "Es ist klar, dass Frau Licci das nicht innerhalb eines halben Jahres drehen kann", räumt ein Aufsichtsrat ein, der ihrem möglichen Sprung an die Spitze skeptisch gegenüber steht. Obwohl Licci eher behutsame Reformen einleitete, stößt sie in der Bank auf enormen Widerstand. "Da gibt es einen Kampf der Reformer gegen die Bewahrer", meint ein HVB-Manager.

In Arbeitnehmer-Kreisen wird vor allem Liccis Auftreten kritisiert. "Sie hat sich benommen wie die Elefantin im Porzellanladen und viel verbrannte Erde hinterlassen", sagt ein anderer Aufsichtsrat. Es stünden auch einige Vorstandsmitglieder der Kollegin skeptisch gegenüber. Dies könnte sich durch die E-Mail verschärft haben. Vor allem Finanzvorstand Wolfgang Sprissler bezieht den Vorwurf falscher Zahlen auf sich, es soll bereits zum Krach gekommen sein. Auch die Konzernkommunikation steht in der Kritik Liccis.

Licci selbst schrieb in der E-Mail, Ziel ihrer Arbeit sei es, die Prozesse zu optimieren, Vertriebswege auszubauen sowie Kundennutzen und Erträge zu steigern. Dabei sei sie ein gutes Stück vorangekommen, die Entwicklung im Deutschlandgeschäft sei nicht so schlecht wie in Quartalsveröffentlichungen kommuniziert. Das bereinigte Betriebsergebnis sei im deutschen Privatkundengeschäft im zweiten Quartal von bereinigt minus 7 - und nicht wie in einer Analystenpräsentation publiziert von plus 46 - auf plus 48 Millionen Euro gestiegen. Angesichts der Beharrungskräfte in der Bank appellierte Licci an die Mitarbeiter: "Helfen Sie mit, unser Unternehmen zu modernisieren und die Probleme der Vergangenheit zu überwinden."

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