Streit um Gaspreise spitzt sich zu

- Berlin - Die Gaskunden in Deutschland sind sauer. Trotz wochenlanger Proteste gegen überhöhte Tarife droht ihnen im Frühjahr eine weitere Preisanhebung. Bereits im Herbst hatten die großen Energieversorger zum Teil kräftig zugelangt. Nun verschärft sich der Streit.

<P>An diesem Sonntag haben Haus- und Wohnungseigentümer sowie der Mieterbund zu einer weiteren Protestaktion aufgerufen: Gaskunden sollen einfach ihre Heizregler runterdrehen. "Mit kalten Heizungen soll den Gasmonopolisten richtig Dampf gemacht werden", betont Haus&Grund-Generalsekretär Andreas Stücke. Schon die Senkung der Raumtemperatur um ein Grad Celcius bringe eine Energieeinsparung von acht bis 21 Prozent und für die Gasversorger entsprechende Umsatzverluste.</P><P>Seit Wochen kürzen wütende Verbraucher einfach ihre Gasrechnungen und folgen mit Verweis auf Paragraf 315 BGB (Billigkeit) dem Boykottaufruf von Verbraucherschützern. Nach Einschätzung des Bundes der Energieverbraucher haben sich inzwischen mehr als 200 000 Erdgaskunden der Aktion angeschlossen."Es könnten durchaus noch mehr als eine Million werden", rechnet Verbandsvorsitzender Aribert Peters. Er rät, einfach die alten Preise plus zwei Prozent zu zahlen. Mit dem kleinen Aufschlag könnten die Betroffenen auch vor Gericht auf der sicheren Seite stehen.</P><P>Bislang sei aber noch kein Verbraucher beklagt oder mit einer Gassperre belastet worden. "Die Unternehmen drohen zwar, aber scheuen offenkundig den Rechtsweg, weil sie dann ihre Preisgestaltung darlegen müssten." Bundesweit gibt es 17 Millionen Erdgaskunden. Allein in Ostdeutschland hat sich die Zahl der Haushalte, die mit Gas heizen, in den vergangen zehn Jahren verdreifacht.</P><P>Die zum Teil satten Tarifanhebungen im vergangenen Herbst riefen zum Jahresende auch die obersten Wettbewerbshüter auf den Plan. Gegen fünf große Unternehmen leitete das Bundeskartellamt noch vor Weihnachten Missbrauchsverfahren ein. Verfahren gegen weitere Konzerne werden nicht ausgeschlossen. Auch die Kartellämter mehrerer Bundesländer lassen derzeit die Preisgestaltung von regionalen Gasversorgern prüfen. Die Länder wollen damit Druck auf Stadtwerke mit besonders hohen Preissteigerungen ausüben. Die Wettbewerbsbehörden sind für mehr als 90 Prozent der 700 deutschen Gasversorger zuständig.</P><P>Das Bundeskartellamt betreibe das Verfahren mit Nachdruck, sagte eine Sprecherin. Ende des Monats werden die Stellungnahmen der betroffenen Unternehmen erwartet. "Bis zu einer Entscheidung kann es aber durchaus noch Wochen oder Monate dauern."</P><P>Der Bundesverband der Deutschen Gas- und Wasserwirtschaft zeigt zwar Verständnis für den Verbraucherzorn, weist aber daraufhin, dass die Branche mit den Preiserhöhungen nur die gestiegenen Einkaufspreise weitergebe. "Das Raffke-Image haben wir nicht verdient", sagt Verbandspräsident Uwe Steckert. Der Protestaufruf der Verbraucherschützer sei "unverantwortlich". Das Vorgehen des Bundeskartellamts stehe aus Sicht der Branche aber nicht im Widerspruch zur Preispolitik der Konzerne. Grundsätzlich werde eine gleichgerichtete Entwicklung der Gas- und Ölpreise ja nicht in Frage gestellt.</P><P>Dass die Preise im April noch mal steigen könnten, wird damit begründet, dass der jüngste Rückgang des Ölpreises nicht stark genug war. Bei einem anhaltenden Trend zu günstigerem Öl wären aber Preissenkungen zur Jahresmitte durchaus möglich. Seit vergangenen Oktober müssen die Kunden nach Berechnungen von Verbraucherschützern zwischen drei und - im Einzelfall - 20 Prozent mehr für Heizgas zahlen.</P><P>Nach Auffassung des Zentralverbandes der Haus- und Wohnungs- und Grundeigentümer (Haus&Grund) lag der Gaspreis für die privaten Kunden schon 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 370 Prozent höher als die Erhöhung des Gasimportpreises für die Versorger. Auch nach Einschätzung der EU liegt Deutschland mit seinen Gaspreisen europaweit fast an der Spitze. Nur in Portugal seien die Tarife noch höher, heißt es in einem aktuellem Bericht der Kommission in Brüssel.</P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch wieder etwas vorgewagt. Der Dax nahm erneut Tuchfühlung zur Marke von 11.600 Punkten …
Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Schnell und billig: Das sind die Tricks der Lebensmittelindustrie
München - Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Kartoffeln in der Kantine so perfekt gelb sind? Branchen-Insider Sebastian Lege erklärt das in einer neuen …
Schnell und billig: Das sind die Tricks der Lebensmittelindustrie
Goldman Sachs profitiert von Börsen-Boom nach Trump-Wahl
Gewinnsprung bei Goldman Sachs - die Trump-Rally an den Finanzmärkten füllt der führenden US-Investmentbank zum Jahresende noch einmal kräftig die Kassen. Andere …
Goldman Sachs profitiert von Börsen-Boom nach Trump-Wahl
Rückschlag bei Mifa-Rettung
Neue schlechte Nachrichten bei Mifa: Die Zahlungsschwierigkeiten sind so gravierend, dass der Fahrradhersteller seine Lieferverträge nicht einhalten kann. Viele Jobs …
Rückschlag bei Mifa-Rettung

Kommentare