Streit um Gehälter und Abfindungen

Frankfurt - Union und SPD dringen auf mehr Transparenz bei Managergehältern. SPD-Chef Kurt Beck sprach sich für eine Offenlegung der Bezüge aus, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will diese notfalls sogar per Gesetz erzwingen. Uneins ist die große Koalition aber in der Frage einer Obergrenze der Managergehälter.

Während die SPD dies befürwortet, sprachen sich mehrere Unionspolitiker erneut gegen eine solche Grenze aus.

"Wenn Manager selbst bei einer Riesenpleite noch mit Millionen-Abfindungen nach Hause geschickt werden, kann ich den Zorn der Leute verstehen", sagte der SPD-Vorsitzende Beck. Seine Partei prüfe daher in einer Arbeitsgruppe, welche gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, das zu unterbinden. Für bedenklich halte er zudem die undurchsichtigen Bonus- und Aktienpakete, die mittlerweile oft Bestandteile der Bezahlung geworden seien. Manager sollten sämtliche Bezüge offenlegen, forderte Beck.

Notfalls mit einem Gesetz will Innenminister Schäuble nachhelfen, falls Unternehmen nicht freiwillig die Vergütungen ihrer Manager offenlegen. Der CDU-Politiker wandte sich gegen eine gesetzliche Begrenzung von Managergehältern, rief aber die Wirtschaft auf, "inakzeptabel hohe" Vergütungen selbst zu unterbinden. Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der zugleich das Ausmaß vieler Abfindungszahlungen anprangerte.

Von einem Skandal sprach die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Christine Scheel, angesichts der Tatsache, dass die Steuerzahler überhöhte Abfindungszahlungen noch mitfinanzieren müssten. Ihre Partei werde einen Antrag einbringen, die steuerliche Absetzbarkeit pro Manager und Kopf auf eine Million Euro zu begrenzen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, erklärte, wenn aus dem Gehalt eines Managers mehr als 100 Arbeitsplätze finanziert werden könnten und zugleich im selben Unternehmen Stellen aus Kostengründen abgebaut würden, sprenge das jede Vorstellung von Gerechtigkeit.

Siemens-Vorstandschef Löscher verurteilte hohe Manager-Antrittsgelder und -Abfindungen ohne Gegenleistung als "Exzesse". Damit werde nicht Erfolg belohnt, sondern Misserfolg bezahlt, sagte er. Bayer-Chef Werner Wenning warnte davor, von Einzelfällen auf die gesamte Führungsebene in der deutschen Wirtschaft zu schließen. Die erfreuliche Entwicklung der deutschen Wirtschaft sei nicht zuletzt auf erfolgreiches Handeln der Manager zurückzuführen. "Man sollte mit Augenmaß vorgehen und ebenso mit Augenmaß kritisieren", sagte Wenning.

Der Aufsichtsratschef des Sportwagenbauers Porsche, Wolfgang Porsche, hat die hohe Bezahlung des Vorstandschefs Wendelin Wiedeking verteidigt. Wiedeking, der Schätzungen zufolge 60 Millionen Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr bekommen hat, sei "jeden Euro wert". Schließlich habe er den einst von der Pleite bedrohten Sportwagenhersteller wieder in die Gewinnzone geführt.

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