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MM-Redakteurin Corinna Maier.

Kommentar zur Neuzulassung des Herbizids

Streit um Glyphosat: Nerv getroffen

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München - Viele befürchten, dass eine Zulassung von Glyphosat ein Vorgeschmack dafür ist, was mit dem Freihandelsabkommen TTIP auf uns zukommen könnte: Eine Abkehr vom europäischen Vorsorgeprinzip.

Ein Pflanzenschutzmittel ist zum Politikum geworden. Erst stand Deutschland in der ersten Reihe der Befürworter einer verlängerten Zulassung von Glyphosat, jetzt scheint das Projekt am Nein der SPD zu scheitern. Zu Recht? Eine Beurteilung fällt schwer. Selbst innerhalb der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es konträre Einschätzungen. Eine Abteilung urteilt „wahrscheinlich krebserregend“, eine andere „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Dazu kommen unzählige andere Studien, deren Wert kaum einzuschätzen ist, da ihre Datenbasis oft intransparent ist und sie sich in manchen Fällen sogar ausschließlich auf die Erkenntnisse des Glyphosat-Herstellers selbst stützen.

In der deutschen Öffentlichkeit trifft die Debatte einen Nerv. Viele befürchten, dass eine Zulassung von Glyphosat ein Vorgeschmack dafür ist, was mit dem Freihandelsabkommen TTIP auf uns zukommen könnte: Eine Abkehr vom europäischen Vorsorgeprinzip, demzufolge Stoffe erst auf den Markt kommen dürfen, wenn ihre Unbedenklichkeit nachgewiesen ist, zugunsten des amerikanischen Prinzips, nach dem erst der Nachweis der Schädlichkeit zu einem Verbot führt.

Im Fall von Glyphosat stellt sich aber noch eine andere Frage: Was, wenn das Mittel, das immerhin seit vier Jahrzehnten im Einsatz ist, wirklich vom Markt genommen wird? Es gibt genügend andere Herbizide, rückstandsärmer werden auch diese nicht sein – nur weniger kostengünstig. Wenn es um eine wirkliche Minimierung von Schadstoffen in der Lebensmittelproduktion geht, muss man Ernst machen mit einer schrittweisen Wende in der Landwirtschaft. Denn eine nachhaltige und umweltverträgliche Bodenbewirtschaftung kostet die Bauern Zeit, die sie unter den herrschenden ökonomischen Zwängen nicht haben.

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