Streit ums Hofbräuhaus: Gehört es der Regierung oder den Bürgern?

- München - Das Hofbräuhaus ist Teil der bayerischen Seele. Und dieses Schmankerl gehört selbstredend dem Freistaat persönlich - mögen auch noch so viele andere Beteiligungen verkauft sein. Die Münchner Hofbrauer sind quasi eine Behörde der Staatsregierung und gebraut wird in staatseigenen Fässern. Aber ginge es nach der SPD im Landtag, gehörte "Hofbräu" bald allen Biertrinkern: Sie will das Hofbräuhaus als Volksaktie unter die Bayern bringen.

<P>Zum obersten Privatisierer ernannte sich der SPD-Abgeordnete Hermann Memmel. Einträglich steht er mit dem Direktor des Hofbräu, Michael Möller, auf dem weitläufigen Firmengelände in München-Riem. Die Brauerei liegt direkt im Wahlkreis von Memmel, die Bier-Thematik liegt dem ehemaligen Wiesn-Stadtrat naturgemäß nahe. </P><P>Momentan sieht Memmel das Hofbräuhaus - direkt dem Finanzministerium unterstellt - zu sehr von der "Ministerialbürokratie" an die Kette gelegt. "Als nicht-staatliches Unternehmen könnte das Hofbräuhaus ganz anders auf dem Markt tätig werden", sagt Memmel. Kurzum: Er fordert eine moderne Unternehmens-Struktur. Das kommt Direktor Möller entgegen, und sie stoßen mit einem Glas Hofbräu-Bier auf ihre Übereinstimmung an.<BR><BR>Hermann Memmel hat einen Zwei-Stufen-Plan entworfen. Im ersten Schritt wird das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt. Zur Aufsicht des Unternehmens werden Mitglieder des Landtags bestellt. Dann Schritt zwei: Das Hofbräuhaus wird Aktiengesellschaft, 51 Prozent verbleiben beim Freistaat, der Rest der Aktien geht in je kleiner Stückzahl an Bayerns Bewohner. Die "Brauerei der Bürger" nennt Memmel das.<BR><BR>Zur Idee der Volks-Aktie hält sich Direktor Möller vornehm zurück, doch beim GmbH-Plan sekundiert er Memmel und der SPD. "Es bringt uns viel mehr Handlungsfreiheit." Denn bisher unterliege sein Unternehmen dem öffentlichen Haushaltsrecht und nicht dem der freien Wirtschaft. "Kurzfristige Investitionen fallen schwer", sagt Möller.<BR><BR>Interessanterweise steht der Direktor der Hofbräu damit weniger auf Seiten seines Dienstherren. Denn im Finanzministerium reagiert man auf die SPD-Vorhaben kritisch.<BR><BR>Minister Kurt Faltlhauser will den Traditionsbetrieb vollständig in seiner Obhut belassen. "Es wird nicht privatisiert, das ist eine Traditionsbeteiligung - da ändert sich nichts", sagt sein Sprecher Horst Wolf über diesen "Inbegriff für Bayern": "Neuschwanstein verkaufen wir ja auch nicht." Ebenso wenig sei eine Änderung der Rechtsform im Ministerium angedacht.<BR><BR>Schon im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Hermann Memmel den Antrag an den Landtag gestellt, Hofbräu in eine GmbH umzuwandeln. Doch dieser Antrag gelangte nie auf die Tagesordnung: "Das hat die Staatsregierung mit allen Tricks verhindert", sagt Memmel. Nach der Landtags-Wahl will der SPD-Abgeordnete einen neuen Anlauf wagen. Denn das Unternehmen mit gut 25 Millionen Euro Umsatz, 250 000 Hektoliter Bierproduktion und mehr als 100 Mitarbeitern müsse für die Zukunft fit gemacht werden.<BR><BR>Dass das SPD-Anliegen Realität werden könne, davon ist Memmel überzeugt. Denn schon vor 30 Jahren hat er als noch junger Münchner Stadtrat vorgeschlagen, die Messe nach Riem zu verlegen. Damals hätten ihn alle angefeindet und ihm beschieden: "Das klappt nie." Mittlerweile steht die Messe in Riem.</P>

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