Streit um längere Arbeitszeiten: Verdi droht mit Streik bei der Post

- München -­ Die Kunden der Deutschen Post müssen sich zu Beginn des neuen Jahres auf ungeleerte Briefkästen und geschlossene Filialen gefasst machen. Um die Ausweitung der Arbeitszeit der 60 000 Post-Beamten abzuwenden, hat die Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder aufgerufen, sich zum Streik bereit zu machen.

Am 15. Januar würden in Rheinland-Pfalz und im Saarland weder Post sortiert noch zugestellt, kündigte ein Verdi-Sprecher an. Danach werde es bundesweit Arbeitsniederlegungen geben, von denen auch Bayern betroffen sein könnte. "Wir planen einen großen Post-Streik im Freistaat, sollte Finanzminister Steinbrück nicht einlenken", sagte der zuständige Fachbereichsleiter von Verdi Bayern, Anton Hirtreiter, dem Münchner Merkur.

Anlass für die Streik-Drohung ist das Auslaufen einer Verordnung des Bundesfinanzministeriums zum Jahresende. Darin ist geregelt, dass die offiziell Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) unterstellten Post-Beamten anders als die anderen Staatsdiener auf Bundesebene nur 38,5 anstatt 41 Wochenstunden arbeiten müssen. Die Gewerkschafter wollen nun die Post dazu bewegen, sich für eine Verlängerung dieser Ausnahmeregelung einzusetzen. Andernfalls befürchten sie, dass die Arbeitskraft von bis zu 5000 der 128 000 nicht verbeamteten deutschen Post-Mitarbeiter nicht mehr gefragt sein wird.

Die Führung des Bonner Logistik-Konzerns brauche sich nicht zu wundern, wenn der Konflikt jetzt eskaliert, erklärte Verdi-Vize Rolf Büttner am Freitag in Mainz. Der Vorstand habe die Gesprächsangebote der Gewerkschaft mehrfach ausgeschlagen. Er habe aber die Möglichkeit, noch während der bis zum 31. Dezember geltenden Friedenspflicht Verhandlungen mit Verdi aufzunehmen. Allerdings will Verdi unter anderem in Bayern schon vor Fristende Demonstrationen organisieren. "Die Zustellung der Weihnachtspost wird dadurch aber nicht verzögert", sagte Verdi-Mann Hirtreiter.

Die Deutsche Post kritisierte die Streikdrohungen von Verdi. Den Aufruf der Gewerkschaft, gegen eine Angleichung der Arbeitszeit von Post-Beamten an das bundesweit geltende Niveau anderer Bundesbeamter zu streiken, sei "grotesk",  teilte das Unternehmen mit. Es bestehe nicht der geringste Anlass für einen Streik. Postkunden würden deswegen auch kein Verständnis für derartige Maßnahmen haben ­- zumal keine Arbeitszeitverlängerung für Tarifkräfte geplant sei. Das Unternehmen bot der Gewerkschaft Gespräche für Januar an.

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