Streit um Nürnberger AEG-Werk

- Nürnberg - Im Streit um den geforderten AEG-Sozialtarifvertrag hat die IG Metall dem schwedischen ElectroluxKonzern ein Ultimatum gestellt. Sollte der Hausgeräte-Konzern bei der zweiten Verhandlungsrunde am Donnerstag nicht einlenken, werde die Große Tarifkommission bereits am Freitag die Weichen in Richtung Arbeitskampf stellen, sagte der Nürnberger IG-Metall-Vize Jürgen Wechsler bei einer Kundgebung vor dem Werkstor. In dem von der Schließung bedrohten Werk waren am Dienstag die Proteste erneut aufgeflammt.

Wechsler machte deutlich, dass sich ein Ergebnis an den Forderungen der Arbeitnehmer-Vertreter anlehnen müsse, nicht umgekehrt: "Electrolux hat keine Forderungen mehr zu stellen, denn die wollen den Standort ja schließen", rief er den Mitarbeitern der Spätschicht zu.

Die legten ebenso wie die Frühschicht am Morgen spontan die Arbeit nieder. Darüber hinaus traf die Gewerkschaft Vorkehrungen, um auch die Nachtschicht von der Arbeit abzuhalten. "Es riecht bei der AEG nach Streik", sagte der Nürnberger Betriebsratschef Harald Dix. Von der für Ende 2007 geplanten Schließung des Hausgeräte-Werks sind rund 1750 Mitarbeiter betroffen.

Ebenso wie Vertreter der IG Metall zeigte sich auch Dix skeptisch, dass es bei den am Vortag in München begonnenen SozialtarifVerhandlungen zu einer Einigung kommt. Die Geschäftsleitung plant nach Dix/ Angaben ein Angebot, das sich weitgehend an den Sozialplänen orientiere, die bei der Schließung der früheren AEGStandorte Kassel und im hessischen Herborn vereinbart worden waren. "Das entspräche lediglich 25 bis 30 Prozent unseres Forderungspakets", sagte Dix. "Das würde bedeuten, dass wir bloß Almosen kriegen, und das können wir nicht akzeptieren", kritisierte Dix.

Der Betriebsrat nannte es "utopisch", dass AEG 230 Millionen Euro in die Schließung investieren wolle. Vor diesem Hintergrund sei es "nicht utopisch, einen Sanierungstarifvertrag zu fordern, der 600 oder 700 Millionen Euro kostet".

Die erste Runde der Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag war am Montagabend nach rund vierstündiger Dauer ergebnislos vertagt worden. Der stellvertretende IG Metall-Chef Jürgen Wechsler hatte nach der Auftaktrunde erklärt, er habe den Eindruck, "wir sind meilenweit voneinander entfernt", sagte er der dpa. Die Arbeitgeberseite hat für die zweite Runde ein Angebot angekündigt. Dies werde rund 20 Prozent über den gesetzlichen Mindeststandards liegen, sagte ein Sprecher.

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