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Krach mit Verdi

Streit bei der Post: Krach um Paketzusteller eskaliert

Düsseldorf - Verdi wirft dem „gelben Riesen“ Vertragsbruch und Tarifflucht vor. Die Post klagt dagegen über ihre Wettbewerbsnachteile gegenüber der Konkurrenz und die fehlende Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft.

Bei der Post hängt der Haussegen schief. Die Pläne des „gelben Riesen“, neuen Mitarbeitern in der Paketzustellung niedrigere Löhne zu zahlen, sorgen für lautstarken Streit zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Unternehmensführung. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis warf dem Konzern am Mittwoch in Düsseldorf Tarifflucht und Vertragsbruch vor. Das Unternehmen versuche, auf Kosten der Mitarbeiter seine Gewinne zu steigern.

Post-Personalchefin Melanie Kreis wies die Vorwürfe allerdings im Gespräch mit dpa entschieden zurück und verteidigte die Pläne. Die Post zahle ihren Zustellern heute deutlich mehr als die Konkurrenz und müsse einen Weg finden, neue Mitarbeiter zu wettbewerbsfähigeren Konditionen einzustellen. Nur dann könne sie auch in Zukunft vom durch den Online-Handel ausgelösten Paketboom profitieren und neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Post hatte in der vergangenen Woche angekündigt, neue Mitarbeiter in der Paketzustellung künftig in eigens gegründeten Servicefirmen einzustellen, für die nicht der Post-Haustarifvertrag, sondern die regionalen Tarifverträge der Speditions- und Logistikbranche gelten sollen. Laut Verdi bedeutet das für die Betroffenen, Einkommenseinbußen auf 65 bis 85 Prozent des Haustarifvertrages der Post.

Der Verdi-Tarifexperte Stephan Teuscher sagte, das Vorgehen der Post erschüttere die Sozialpartnerschaft im Kern. Statt für die Probleme des Unternehmens eine Lösung in den anstehenden Tarifverhandlungen zu finden, schaffe das Unternehmen Fakten und dränge Beschäftigte aus dem Haustarifvertrag heraus.

Die Post-Personalchefin beteuerte dagegen, sie habe versucht, eine Lösung innerhalb des Haustarifvertrages der Post zu finden, sei aber bei der Gewerkschaft auf taube Ohren gestoßen. „Wir müssen als Unternehmen das Grundsatzproblem lösen, dass unsere Lohnkosten in der Zustellung signifikant höher sind, als die der Wettbewerber“, betonte Kreis. Nur dann ließen sich geplanten hohen Investitionen in das deutsche Paketgeschäft rechtfertigen.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende verwies dagegen auf die üppigen Gewinne der Post. „Aus unserer Sicht gibt es keinerlei Grund, über eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu verhandeln“, sagte sie. Zwar entspreche es der Tatsache, dass die Post die besten Entgeltbedingungen bei den Paketzustellern biete. Doch seien diese Verträge nicht vom Himmel gefallen, sondern zwischen den Tarifparteien ausgehandelt worden. Außerdem sei es nicht ungewöhnlich, dass der Marktführer besser zahle als die Konkurrenz.

Die Gewerkschaft sucht nun nach einer tarifpolitisch angemessenen Antwort auf das Vorgehen der Post. Erste Möglichkeiten dürften sich spätestens bei der im Mai anstehenden Lohn- und Gehaltstarifrunde ergeben. Streiks stünden aber zurzeit nicht auf der Tagesordnung, hieß es in Düsseldorf.

dpa

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