Streit um russisches Gas eskaliert

- Moskau - Der Gasstreit zwischen dem russischen Gasmonopolisten Gazprom und Weißrussland spitzt sich zu: Die Verhandlungen über eine Vervierfachung des Preises für russisches Gas wurden ergebnislos abgebrochen, teilte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow nach Angaben der Agentur Interfax mit.

Die bisherige Vereinbarung läuft Ende Dezember aus. Der Konzern, an dem die Russische Föderation zu gut 50 Prozent beteiligt ist, hatte zuvor gewarnt, das Land gefährde seine Energieversorgung, wenn es geplanten Preiserhöhungen nicht zustimme.

Befürchtungen vor Lieferengpässen für Westeuropa wies Kuprijanow als unbegründet zurück. Zu Beginn kommenden Jahres hat Gazprom auch die Preise für die ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien, Moldawien, Aserbaidschan und die Ukraine zum Teil kräftig erhöht.

Die russische Tageszeitung "Kommersant" berichtete, Gazprom treffe Vorkehrungen, um im Fall eines Scheiterns der Gespräche, Weißrussland das Gas abdrehen zu können, ohne die Lieferungen an Westeuropa zu gefährden. Der Konzern fülle derzeit Gasspeicher im Baltikum und in Deutschland auf, um die Versorgung der Länder sicherzustellen, die über weißrussische Transitpipelines beliefert würden. Das weißrussische Energieministerium zeigte sich überzeugt, dass die Gaslieferungen nicht unterbrochen würden.

Nach Berichten des "Kommersant" könnte Weißrussland einen Teil der Preiserhöhung durch eine 50-prozentige Beteiligung von Gazprom an den Transitpipelines abfedern. Beobachtern zufolge sind sich beide Seiten jedoch noch nicht über die Bewertung der Transitfirma Beltransgas einig.

Weißrussland soll nach dem Willen von Gazprom ab 1. Januar kommenden Jahres 200 Dollar (153 Euro) statt bislang 46 Dollar für 1000 Kubikmeter russisches Gas zahlen. Dies sei Teil der Konzernstrategie, die Gaspreise auch für ehemalige Sowjetrepubliken auf ein "Marktniveau" anzuheben, sagte Kuprijanow.

Als Reaktion auf massive Preiserhöhungen reduziert Georgien inzwischen seine Abhängigkeit von russischem Erdgas. Der georgische Ministerpräsident Surab Nogaideli und der aserbaidschanische Präsident Ilcham Alijew vereinbarten die Lieferung von täglich einer Million Kubikmeter Gas aus Aserbaidschan an Georgien. Der Preis, der nicht genannt wurde, sei für Georgien akzeptabel, sagte Nogaideli in Baku. Alijew betonte seinerseits, Georgien und Aserbaidschan hätten sich immer gegenseitig geholfen. Das würde auch in "schwierigen Zeiten" so bleiben.

Anfang 2006 drehte Russland der Ukraine vorübergehend das Gas ab, nachdem der Nachbar zuvor massive Preiserhöhungen abgelehnt hatte. Weil die Ukraine auf Gas aus den für den Transit bestimmten Kontingenten zurückgriff, kam es bei den Zielländern in Westeuropa vorübergehend zu Engpässen.

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