Streit um Samstagsarbeit lastet schwer auf Tarifverhandlungen

- München - Der deutsche Einzelhandel steckt inmitten der Konsumflaute im schwierigsten Tarifstreit seit Jahren fest. Während die Geschäfte wegen Kaufzurückhaltung der Kunden Umsatzrückgänge beklagen, wollen die Gewerkschaften deutlich mehr Geld für die 2,5 Millionen Beschäftigten herausholen. Knackpunkt der Verhandlungen sind in diesem Jahr aber vor allem Regelungen für die längere Samstags-Öffnung bis 20 Uhr ab Juni.

<P>Vier Stunden länger und damit ebenso lange wie unter der Woche dürfen die Geschäfte in Zukunft öffnen. Für die Beschäftigten im Einzelhandel legt das Gesetz zugleich den Anspruch auf einen freien Samstag im Monat fest. Nach Einschätzung des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels werden sich die längeren Öffnungszeiten aber erst schrittweise durchsetzten. Viele Geschäftsleute würden an den ersten Samstagen um 18 Uhr schließen und erst in den umsatzstarken Monaten ab Herbst die neuen Freiheiten mehr nutzen.</P><P>Mit der Ladenschlussreform fällt zugleich die bisherige Regelung, dass Läden vor verkaufsoffenen Sonntagen um 14 Uhr schließen müssen. Außerdem werden die Vorschriften für das Friseurhandwerk aus dem Ladenschlussgesetz gestrichen. Damit sind sie nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden, solange sie nicht in größerem Umfang Ware an die Allgemeinheit verkaufen.</P><P>Durch die längeren Öffnungszeiten an Samstagen wird die Belastung der Beschäftigten nach Einschätzung von Verdi nochmals deutlich steigen. 70 Prozent der Beschäftigten sind demnach Frauen. "Wo soll noch das Familienleben stattfinden, wenn die Frauen auch samstags erst um neun nach Hause kommen?", fragt Verdi-Mann Ulrich Dalibor. Verdi fordert daher mindestens zwei freie Wochenenden im Monat und Zuschläge von 50 bis 100 Prozent für die Samstagsarbeit.</P><P>Die Arbeitgeber wollen die längeren Öffnungszeiten hingegen über Spätöffnungszuschläge regeln, die es bereits für längere Arbeit unter der Woche gibt. "Die Gewerkschaft sollte sich sorgfältig überlegen, ob sie exorbitante Zuschläge fordert und damit Arbeitsplätze verteuert", sagt Herbert Jöris (HDE). Die Gewerkschaft missbrauche bei der Auseinandersetzung die betriebliche Mitbestimmung und setze auf Blockade in den Betriebsräten, die längeren Öffnungszeiten in den einzelnen Geschäften zustimmen müssen.</P><P>Um in letzter Minute doch noch eine Lösung zu finden, ruhen die Hoffnungen der Gewerkschaft Verdi auf den Tarifverhandlungen am heutigen Freitag. In Bayern treffen sich Arbeitgeber und Verdi bereits zum fünften Mal und sind damit formal weiter als die Tarifbezirke in anderen Bundesländern. Fast überall waren die Verhandlungen in den vergangenen Wochen von massiven Warnstreiks begleitet. Tausende Kunden standen vor verschlossenen Türen.</P><P>Sollte am Freitag in Bayern eine Einigung erzielt werden, dürften die Verhandlungen in den anderen Bundesländern schnell mit Abschlüssen in ähnlichen Größenordnungen zu Ende gehen.</P>

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