Streit um Sicherheit beim Plastikgeld

- München - Im Weihnachtsgeschäft ist wieder Hochsaison für Plastikgeld. Größere Geschenke zahlen viele lieber à` la carte - vor allem mit der EC-Karte, die längst das beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel beim Einkaufen ist. Doch auf welche Weise die Kunden den Betrag an der Kasse am besten freigeben sollen, ist umstritten: Banken und Sicherheitsexperten machen sich zunehmend dafür stark, immer eine Geheimzahl einzugeben. Handel und Verbraucherschützer wollen dagegen auch das billigere Verfahren mit Karte und Unterschrift behalten.

<P>Ein Drittel der Einkäufe im Einzelhandel zahlen die Kunden nicht mehr in bar. Mit 17 Prozent am häufigsten sind Lastschriftverfahren mit Unterschrift auf dem Bon, wie es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) heißt. Die Konkurrenzmethode "Electronic Cash" mit persönlicher Geheimzahl PIN ("Persönliche Identifikations-Nummer") kommt auf sieben Prozent, legt aber kräftiger zu. Welches System sich am Ende behaupten wird, gilt als offen. Denn auch hinter den Kulissen geht es um Geld.<BR><BR>Für die Kreditinstitute ist die Lage klar: "Die Geheimzahl ist sicherer." Da die Unterschrift direkt auf der Karte steht, sei die Fälschungsgefahr eher hoch. Mit der Bahn setzte denn auch schon ein Großunternehmen ein Zeichen und verbannte die Zahlung mit EC-Karte aus den Zügen. Der Grund: Millionenschäden durch Missbrauch. Stattdessen ein System mit PIN einzuführen, sei unterwegs technisch noch nicht zuverlässig machbar, sagt eine Sprecherin. Auch die Innenminister der Länder riefen den Handel bereits auf, wegen zunehmender Betrugsfälle am besten nur noch Zahlungen mit Geheimzahl zu akzeptieren.<BR><BR>Für die Kunden wäre dies eine "Horrorvorstellung", heißt es aber bei den Verbraucherzentralen. Im Gedrängel an der Kasse könnten andere die Nummer beim Eintippen ausspähen. Außerdem habe die Zahlung per Unterschrift im Gegensatz zur PIN einen wichtigen Vorteil: Unberechtigte Buchungen lassen sich ohne weiteres bei der Bank zurückrufen.<BR><BR>Mit ihrem Ja zum System mit Signatur haben die Verbraucherschützer Teile des Handels auf ihrer Seite - allerdings auch aus anderen Motiven. Denn für die Läden ist die Wahl der Methode zugleich eine Frage der Risikoabwägung und der Kalkulation. Beim PIN-Verfahren berechnen ihnen die Geldinstitute 0,3 Prozent des Warenpreises als Gebühr. Dafür kommt vom Bankcomputer jedes Mal die Garantie, dass die Karte auch genug Zahlungsspielraum hat. Bei vielen Geschäften würden diese Kosten aber fast die ohnehin schmale Rendite aufzehren, sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Wenn die Läden die unterschriebenen Kundenbelege selbst bei der Bank einreichen, ist die Bonität nicht vom Geldinstitut geprüft, es kostet aber auch kein Entgelt.<BR><BR>Bankgebühr frisst schmale Handels-Renditen</P><P>In das Ringen der Systeme kommt derweil Bewegung. Um die Sicherheit zu erhöhen, müssen Kunden in manchen Läden zusätzlich den Ausweis zeigen. Der Handel dringt bei den Kreditinstituten auf Informationen über gesperrte Karten. Diese werben wiederum um weitere Nutzer für ihre PIN-Systeme. Eine neue Technik, bei der nicht jedes Mal eine Telefonverbindung von der Kasse zum Kontrollrechner aufgebaut werden muss, soll die Kartenprüfung doppelt so schnell und damit attraktiver machen. Bisher kann dies teils bis zu 30 Sekunden dauern - das ist nicht nur Discountern zu lang.<BR><BR></P>

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