Neutrales Vertriebssystem gefordert

Ticket-Streit: Bahn wehrt sich

München/Bonn – Das Quasi-Monopol der Deutschen Bahn beim Verkauf von Fahrscheinen an den Bahnhöfen kommt auf den Prüfstand. Jetzt wehrt sich die Bahn gegen die Vorwürfe.

Das Bundeskartellamt leitete am Donnerstag gegen den Konzern ein Verfahren wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung ein, teilte die Behörde in Bonn mit.

Hintergrund ist die Frage, unter welchen Bedingungen andere Bahnunternehmen an Bahnhöfen ihre Tickets verkaufen können. Die Konkurrenten werfen der DB vor, sie behindere den Fahrscheinverkauf. Kartellamtssprecher Kay Weidner sagte, es lägen mehrere Beschwerden vor. Die Namen der Unternehmen nannte er nicht. Der Privatbahnen-Verband Mofair nannte eine Änderung des Vertriebssystems „überfällig“. Er forderte, dass Bahnkunden an allen Automaten eines Bahnhofes die Fahrscheine aller Anbieter kaufen könnten. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Ankündigung des Kartellamts „positiv“. „Wenn jedes Unternehmen für sich alleine agiert, dann haben wir einen Flickenteppich.“ So deutet es sich indes aktuell in München an: Am Hauptbahnhof gibt es einen skurrilen Wettbewerb zwischen der Deutschen Bahn und dem „Meridian“. Beide Unternehmen haben ihre Automaten nebeneinander platziert und weisen mit Aufklebern daraufhin, dass auch die Tickets der Konkurrenz hier gekauft werden können. In diesem Fall werden Provisionen an das jeweils andere Unternehmen gezahlt – die Höhe ist ebenfalls Gegenstand des Kartellverfahrens.

Die DB wies den Vorwurf der Kartellwächter zurück. Konkurrenten könnten – wie es etwa in München oder Rosenheim der Fall ist – auf dem Bahnhofsareal eigene Ticketschalter aufbauen. Flächen für Fahrkartenautomaten stelle die Deutsche Bahn sogar kostenfrei zur Verfügung. Allerdings gehe es nicht an, dass in den Reisezentren der DB die Fahrkarten der Konkurrenz mitverkauft würden. Dies sei gegen den Wettbewerb, so DB-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Pro Bahn fordert indes den Aufbau eines neutrales Vertriebssystems ohne DB-Erstzugriff.

dw/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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