Streit im VW-Aufsichtsrat

- Wolfsburg/Berlin - Im VW-Aufsichtsrat ist nach der Wahl des Audi-Personalchefs Horst Neumann zum neuen Arbeitsdirektor im Konzernvorstand ein offener Machtkampf entbrannt. IG-Metall-Chef Jürgen Peters stellte sich in einem Interview der "Berliner Zeitung" ausdrücklich hinter den umstrittenen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech und warf dessen Kritikern vor, sie wollten in Wirklichkeit die Interessenvertretung der Arbeitnehmer schwächen.

Die niedersächsische Landesregierung, die als zweitgrößter Anteilseigner im Aufsichtsrat vertreten ist, wollte sich zu den Querelen in dem Gremium nicht äußern. Das Land stehe aber zum VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder und zu Markenvorstand Wolfgang Bernhard, sagte ein Sprecher. Es sei das gemeinsame Ziel, VW zu einem hochprofitablen Unternehmen zu machen und möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.

In den vergangenen Tagen war in Medienberichten spekuliert worden, dass Pischetsrieder um seinen Job bangen müsse, weil seine Mehrheit im Aufsichtsrat nicht gesichert sei. In dem Gremium steht im Frühjahr 2006 eine Empfehlung über den Vertrag von Pischetsrieder an, dessen Vertrag 2007 ausläuft. Pischetsrieder selbst denkt nicht an einen Rücktritt, wie er in einem Interview mit dem "Focus" klarmachte. Neumann war gegen den Willen des Vorstandsvorsitzenden mit der Mehrheit des Aufsichtsrates zum Nachfolger von Peter Hartz als Arbeitsdirektor gewählt worden. Das Unternehmen äußert sich in Aufsichtsratsangelegenheiten nicht.

Nach der überraschenden Wahl des IG-Metall-Mitglieds Neumann war auch der Streit um Piech wieder aufgebrochen. Dieser hatte gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite in dem Gremium die Personalie durchgesetzt. Nach dem Einstieg von Porsche bei VW war Pi½ch in der Doppelfunktion als oberster VW-Aufsichtsrat und Miteigentümer des Sportwagenbauers bereits ein Interessenkonflikt vorgeworfen worden.

Peters sagte dazu: "Mit dem Einstieg von Porsche tun jetzt einige so, als ob Pi½ch dabei wäre, einen Griff in die Kasse von Volkswagen zu tun". Piech habe stets darauf geachtet, dass ihm an keiner Stelle eine Verletzung seiner Neutralitätspflicht vorgeworfen werden könne.

Nach Auffassung von Peters zielt die Debatte im Gegenteil darauf, die Interessenvertretung der Arbeitnehmer zu schwächen. "Das System soll kaputtgemacht werden." Es bestehe darin, "dass Arbeitnehmervertreter bei Volkswagen auf Augenhöhe mit dem Management mitreden können, dass wir per Tarifvertrag die Wertschöpfung des Unternehmens sichern, aber gleichzeitig die Beschäftigung und die Standorte sichern".

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