Streit um die Wohnfläche: Jeder kann rechnen wie er will

- In Deutschland gibt es keine verbindliche Methode zur Berechnung von Wohnflächen. Das bringt große Probleme mit sich. Denn die Quadratmeterangabe ist alles andere als genau.

<P class=MsoNormal>"Je nach Berechnungsmethode können bei einem Einfamilienhaus schon mal 20 bis 30 Quadratmeter rausfallen", sagt Stephan Kippes, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Nürtingen. Dadurch fehle die Vergleichbarkeit, die für die Mieter entscheidend sei. </P><P class=MsoNormal>Die häufigste Berechnungsmethode ist die nach der Wohnflächenverordnung. Demnach zählen Räume mit mindestens zwei Metern Höhe zu 100 Prozent zur Wohnfläche. Räume mit einer Höhe zwischen einem und zwei Metern werden zur Hälfte gezählt, Räume mit weniger als einem Meter Höhe gar nicht.</P><P class=MsoNormal>Diese Zählweise gilt für jeden Raum in der Wohnung, auch für Flächen unter Treppen. Säulen mit mehr als 0,1 Quadratmetern Grundfläche werden von der Wohnfläche abgezogen.</P><P class=MsoNormal>Balkone werden in der Regel zu 50 Prozent gezählt, gelegentlich auch mit geringerem Prozentsatz. "Das müssen dann aber schon starke Einschränkungen sein", sagt Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus und Grund. Dazu gehöre etwa ein Balkon, der als "erweitertes Fensterbrett" auf der Nordseite ins Gebäude integriert ist. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund sieht das ein wenig anders: Zwar komme es bei Balkonen auf den Wohnwert an, aber in der Regel zählten sie bei der Wohnflächenberechnung nur zu einem Viertel mit.</P><P class=MsoNormal>Nicht zur Wohnfläche zählen nach der Wohnflächenverordnung Zubehörräume, etwa Garagen, Keller, Waschküchen, Dachböden oder Speicher.</P><P class=MsoNormal>Darin vor allem unterscheidet sich diese Berechnungsform vor anderen. Wer eine Wohnung besichtigt, sollte deshalb immer fragen, ob Keller oder andere Zubehörräume in die Berechnung der Wohnfläche eingegangen sind, rät Stephan Kippes.</P><P class=MsoNormal>Die Anwendung der Wohnflächenverordnung ist nur bei staatlich gefördertem Wohnungsbau zwingend.</P><P class=MsoNormal>Ein Problem ist, "dass der Vermieter teilweise gar nicht weiß, wie groß die Wohnung ist", sagt Stephan Kippes. Oft übernehme dieser einfach die Angaben des Bauherrn.</P><P class=MsoNormal>Aber nicht nur für die Anmietung, sondern auch bei einer Mieterhöhung und bei den Nebenkosten sei die Wohnflächenberechnung entscheidend, sagt Mieterbund-Sprecher Ropertz. Die Nebenkosten werden nach der tatsächlichen Wohnfläche ohne Balkon berechnet.</P><P class=MsoNormal>Fehlt eine Vereinbarung zur Berechnungsmethode im Mietvertrag, soll laut BGH die Wohnflächenverordnung zu Grunde gelegt werden.</P><P class=MsoNormal>Auch bei Eigentumswohnungen spielt die Wohnflächenberechnung eine entscheidende Rolle: Besonders beim Kauf oder Verkauf von Wohnflächen sollte man im Zweifelsfall nachmessen, sagt Mona Moraht, Justiziarin beim Ring Deutscher Makler. Immerhin kann ein Quadratmeter mit mehreren tausend Euro zu Buche schlagen. Wer eine Wohnung verkaufen will, sollte laut Moraht keine exakte, sondern eine ungefähre Angabe der Wohnungsgröße im Vertrag festhalten: "Dann ist man aus dem Schneider." Der Verkäufer kann also später nicht rechtlich auf den Quadratmeter genau festgenagelt werden. Den Zollstock bemühen sollte dagegen zur eigenen Sicherheit der Käufer.</P>

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