Stresstest für Athener Sparprogramm

Athen - Stresstest für das griechische Sparprogramm und für die Hauptstadt: Nachdem sich die Politik zu massiven Einschnitten durchgerungen hat, tobten Randalierer in den Straßen. Jetzt zittert das Land vor der nächsten Abstimmung.

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Das griechische Parlament muss ein weiteres Mal über den 78-Milliarden-Euro-Sparplan abstimmen. Seit Donnerstagmorgen debattierten die 300 Abgeordneten über die einzelnen Regelungen, die abgesegnet werden müssen. Die Abstimmung war für den Nachmittag geplant, eine genaue Uhrzeit war nicht bekannt. Nach einer Krawallnacht mit rund 150 Verletzten blieb die Lage in der Athener Innenstadt am Vormittag ruhig. Die Luft im Zentrum war wegen des eingesetzten Tränengases beißend. Politische Beobachter gingen davon aus, dass die Detailgesetze - wie zuvor das Gesamtpaket - vom Parlament gebilligt werden würden. Die Verabschiedung ist Voraussetzung für neue Milliardenhilfen, ohne die Griechenland in den nächsten zwei bis drei Wochen pleite wäre.

Bilder aus Griechenland: Die Gewalt eskaliert

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Nach dramatischen Monaten des Ringens um eine Lösung hatte die grundsätzliche Billigung des Sparprogramms am Vortag Politiker in ganz Europa aufatmen lassen. Auch die Märkte reagierten positiv. Aus Protest gegen den Sparplan hatten in der Nacht Hunderte Vermummte rund um den zentralen Syntagmaplatz in Athen randaliert. Es kam zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. Die Randalierer warfen Brandflaschen auf ein Postamt und zwei andere Gebäude. Die Feuerwehr konnte in letzter Minute sieben Menschen aus einem brennenden Gebäude retten und das Feuer löschen, wie das griechische Fernsehen berichtete. Ein Hotel musste evakuiert werden.

Laut einer vorläufigen Bilanz der Polizei und des Gesundheitsministeriums wurden 148 Menschen verletzt, darunter sind 49 Polizisten. Sie mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Mehr als 500 Menschen wurden vorübergehend wegen Atemwegsbeschwerden behandelt. Dutzende Schaufenster von Banken und Geschäften gingen zu Bruch. Viele Haltestellen und Bankautomaten beschädigt. Die massiven Sparmaßnahmen waren am Mittwoch zunächst als Gesamtpaket verabschiedet worden. Regierungschef Giorgos Papandreou will bis 2015 gut 78 Milliarden Euro einsparen und durch Privatisierungen einnehmen. Dies soll durch Einschnitte, höhere Steuereinnahmen und den Verkauf staatseigener Unternehmen und Immobilien erreicht werden. Der Euro profitierte am Donnerstag von der Entwicklung und stieg über die Marke von 1,45 US-Dollar. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung bis zu 1,4518 Dollar und damit fast einen Cent mehr als am Vorabend. An den Finanzmärkten herrschte laut Händlern große Erleichterung. Der Dax war gegen Mittag 0,14 Prozent im Plus.

dpa

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