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Der Wechsel des Stromanbieters läuft oftmals alles andere als reibungslos. Kürzere Kündigungsfristen sollen die Rechte der Verbraucher stärken.

Strom: So kommen Sie schneller zum günstigen Anbieter

Verbraucher können ihren Strom- und Gasanbieter bald schneller wechseln. Künftig gilt eine Kündigungsfrist von zwei statt vier Wochen. Verbraucherschützer halten die Neuregelung jedoch für unzureichend.

Eigentlich wollte Walter Huber (Name geändert) nur einen neuen Stromanbieter. Doch der Wechsel bereitet ihm seit Wochen viel Ärger. Ende Oktober unterschrieb Huber einen neuen Stromvertrag, um zum 1. Januar zu wechseln. Doch plötzlich gab es Probleme. Statt beim neuen Stromanbieter landete Huber Anfang des Jahres beim deutlich teureren Grundversorger Eon. Erst nach unzähligen Telefonaten und Briefen gelang es ihm, einen Wechsel im Februar zu erzwingen.

Eon Vertrieb weist den Vorwurf einer bewussten Verzögerung zurück. „In der Grundversorgung landet jeder, der keinen gültigen Vertrag mit einem Energieanbieter hat“, sagt Roland Schilhab, Sprecher bei Eon Vertrieb Deutschland. Dies sei jedoch keine „Fesselung des Kunden“. Vielmehr soll durch die Regelung gewährleistet werden, dass der Kunde nicht plötzlich ohne Strom und Heizung dasteht. Als Grundversorger gilt das Energieunternehmen, das in einem bestimmten Gebiet die meisten Privathaushalte versorgt. In München sind es zum Beispiel die Stadtwerke München, im Umland oftmals Eon.

Zwei Wochen Kündigungsfrist

Walter Huber ist allerdings kein Einzelfall. Immer wieder beklagen sich Energiekunden bei den Verbraucherzentralen über Schikanen. Um den Wechsel zu beschleunigen, beschloss die Bundesregierung, die Kündigungsfrist für Grundversorger auf zwei Wochen zu verkürzen. Bisher gilt eine Frist von vier Wochen zum Monatsende. Ziel sei es, den Wettbewerb zwischen den Anbietern zu stärken und dadurch die Preise stabil zu halten, sagt Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Wenn der Bundesrat zustimmt, kann die Neuregelung schon im März oder April in Kraft treten. Künftig kann die Versorgung des Kunden durch den neuen Anbieter auch an jedem beliebigen Werktag beginnen – und nicht wie bisher nur zum ersten des nächsten Monats. Dies hilft vor allem bei einem Umzug.

Anbieterwechsel binnen drei Wochen

Insgesamt soll der Anbieterwechsel künftig nicht länger als drei Wochen dauern. Damit setzt die Regierung eine entsprechende EU-Richtlinie um. Verbraucherschützer halten die Änderungen allerdings für unzureichend. „Rösler braucht sich nicht als Verbraucherschützer aufspielen“, wettert Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher. Denn die neue Drei-Wochen-Frist hat einen Haken: Die Frist gilt erst ab dem Zeitpunkt, zu dem der neue Anbieter den Wechsel dem Netzbetreiber mitgeteilt hat. In der Praxis werde der Wechsel weiterhin deutlich länger dauern, warnt Peters. „Den Kunden hilft die Neuregelung nicht viel.“

Auch die Verbraucherzentrale Bayern äußert Kritik. „Am besten wäre eine klare Frist ab Kündigung des alten Anbieters“, sagt Juristin Petra von Rhein. Immer wieder gebe es Probleme, weil etwa der alte Anbieter einen Wechsel blockiere. „Den Ärger hat dann der Kunde.“ Von Rhein weiß, wovon sie spricht. Die Juristin streitet sich derzeit mit ihrem ehemaligen Gasanbieter. Nach einer Preiserhöhung hatte sie gekündigt. „Der Anbieter behauptete jedoch, ich hätte die Kündigungsfrist von sechs Wochen nicht eingehalten“, sagt von Rhein. Die Folge: Die Verbraucherschützerin rutschte mitten im Winter in den deutlich teureren Grundversorgertarif.

Schlichtungsstelle für Verbraucher

Wer Probleme beim Wechsel des Strom- oder Gasanbieters hat, kann sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Die neue Anlaufstelle wird von den Verbänden der Energiewirtschaft und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen finanziert. Die Schlichtungsstelle ist unter der Telefonnummer 030/27 57 240-0 (Montag bis Donnerstag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr) oder per E-Mail info@schlichtungsstelle-energie.de zu erreichen. Die Anschrift lautet: Schlichtungsstelle Energie e.V., Friedrichstraße 133, 10 117 Berlin. Bevor man sich an den Ombudsmann wendet, sollte der Verbraucher zumindest einmal beim entsprechenden Energieanbeiter gegen die Verzögerung protestiert haben, so Verbraucherschützerin von Rhein. Die Schlichtung ist für Verbraucher kostenlos.

Steffen Habit

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