Tipps vom Experten

So finden Sie die Stromfresser im Haus!

München - So mancher Verbraucher erschauert beim Gedanken an die nächste Stromkostenabrechnung. Unaufhaltsam steigen mit der Energiewende die Strompreise. Da hilft nur eins: den Verbrauch senken.

Wie Verbraucher Strom sparen können, erklärt Norbert Endres, unabhängiger Energieberater und Stromsparberater im Bauzentrum der Stadt München.

Was sind die größten Stromfresser im Haushalt?

Ein elektrischer Warmwassererhitzer, zum Beispiel ein Boiler, der das Badewasser erwärmt, erhöht die Stromrechnung um rund 30 Prozent. Daneben gilt grundsätzlich, dass im Schnitt 50 Prozent des Stromverbrauchs auf die großen Haushaltsgeräte entfallen: Trockner, Wasch- und Spülmaschine. Ganz vorne liegen mit 20 bis 25 Prozent Kühl- und Gefrierschrank.

Wie finden Sie vor Ort heraus, wo das Sparpotenzial liegt?

Norbert Endres arbeitet seit zwölf Jahren als unabhängiger Stromsparberater in München, ehrenamtlich berät er auch im Bauzentrum der Stadt München.

Ich benötige zuerst die Stromabrechnung des Kunden. Wenn ich den Jahresverbrauch kenne, rechne ich den auf 365 Tage um. Dann weiß ich, ob es gut oder schlecht steht. Eine gute Übersicht, anhand der man prüfen kann, ob der eigene Stromverbrauch hoch oder niedrig ist, gibt es in der Broschüre „Energie effizient nutzen“ (Anm. d. Red. unter www.energiesparaktion.de verfügbar). Danach befrage ich die Kunden, welche Geräte sie im Haus haben und mache mir selbst ein Bild. Alle Geräte mit Stand-by-Verbrauch messe ich einzeln. Das kann man aber auch selbst tun; Messgeräte gibt es ab acht Euro. Die Stadtwerke München leihen sie kostenlos aus.

Welchen Anteil haben Geräte im Stand-by-Betrieb am Stromverbrauch?

Der Leerlaufstromverbrauch beträgt im Durchschnitt 14 Prozent. Bei neuen Geräten ist der Verbrauch im Stand-by-Modus mittlerweile gering. Das Problem sind ältere Elektrogeräte. Eine alte Stereoanlage verbraucht oft 22 Watt im Stand-by-Betrieb. Auf ein Jahr gerechnet ergibt das 45 Euro. Ausstecken! Hier besteht Sparpotenzial.

Gibt es auch Geräte, die man getrost im Stand-by-Modus laufen lassen kann?

Ja. Grundsätzlich gilt: Alles unter ein Watt kann vernachlässigt werden. Die Kosten liegen hier bei 2 Euro im Jahr. Dabei geht es um Geräte wie ein Handy-Aufladegerät, eine elektrische Zahnbürste oder Computer-Zubehör wie Drucker oder Lautsprecher.

Wie viel Einsparpotenzial haben Verbraucher beim Licht?

Die Beleuchtung macht in privaten Haushalten lediglich zehn Prozent des Stromverbrauchs aus. Allerdings kann man hier schnell und einfach sparen durch den Einsatz von Energiesparlampen. Sie verbrauchen nur zehn bis zwölf Prozent des Stroms, den Glühbirnen benötigen. Noch besser sind LED-Lampen – wegen der Quecksilberproblematik. Der Einsatz von Energiesparlampen lohnt sich aber nur an Stellen, an denen viel Licht verbraucht wird. Bei allen Lampen, die weniger als eine Stunde pro Tag brennen, lohnt sich eine Energiesparlampe, die mehr kostet als eine Glühbirne, nicht.

Kühlschrank und Gefriertruhe sind rund um die Uhr in Betrieb und fressen mehr als ein Fünftel des Stromverbrauchs. Wie kann man hier sparen?

Alte Geräte auszutauschen lohnt sich ökonomisch und ökologisch nur, wenn sie mindestens 15 Jahre alt sind. Außerdem muss ein alter Kühlschrank nicht immer schlecht sein. Man muss den Verbrauch messen. Das ist allerdings etwas komplizierter als bei Stand-by-Geräten. Der Verbrauch muss über 24 Stunden beobachtet werden. Bei einem kleinen Kühlschrank mit Gefrierfach – 80 Zentimeter hoch, 60 breit und tief – ist ein Verbrauch unter 0,2 Kilowattstunden pro Tag gut. Geräte, die eine Kilowattstunde verbrauchen, sollten ausgetauscht werden.

Wie viel Geld kann man damit sparen?

Wenn man mit dem neuen Gerät 100 Kilowattstunden pro Jahr einspart, macht das in 15 Jahren 300 Euro. Für einen guten Kühlschrank mit Gefrierfach zahlt man ungefähr 600 Euro.

Im Laden werben die Hersteller mit verschiedenen Energielabels. Was müssen Verbraucher beim Kauf beachten?

Verschiedene Geräte, unter anderem Kühlschränke und Gefriertruhen, Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen müssen mit einem Energielabel versehen werden. Die Klassifizierungen in Effizienzklassen gelten auf EU-Ebene. Sie sind allerdings etwas verwirrend.

Das heißt?

Kühl- und Gefrierschränke werden in Klassen von A bis G eingeteilt. Seit 2004 gibt es außerdem die Plusklassen A+ und A++. 2010 wurde zusätzlich die Effizienzklasse A+++ eingeführt.

Wer ein Gerät mit A+++ kauft, ist also auf der sicheren Seite?

Bei Kühl- und Gefrierschränken ja. Bei Fernsehern gibt es dagegen höchstens ein Plus, bei Waschmaschinen gar keins. Hier reicht es, auf die A-Klasse zu achten, bei der der Stromverbrauch am niedrigsten ist.

Lassen sich auch Kosten sparen durch einen Wechsel des Stromanbieters?

Theoretisch bis zu 20 Prozent. Allerdings ist der Markt so wild wie bei Handytarifen. Ich rate meinen Kunden deshalb dort zu bleiben, wo sie zufrieden sind. Es zählt schließlich auch der Service. Wer trotzdem wechseln möchte, kann im Internet – zum Beispiel auf www.stromtarife.de – Tarife vergleichen.

Was muss man beim Wechsel beachten?

Man sollte niemals per Vorkasse zahlen. Geht ein Strom-anbieter pleite, ist das Geld sonst weg. Außerdem sollte die Kündigungsfrist maximal drei Monate betragen. Der Wechsel selbst ist grundsätzlich kostenlos.

Interview: Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

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