1. Startseite
  2. Wirtschaft

Strompreisbremse: Was die Ampel plant, wie Verbraucher entlastet werden sollen

Erstellt:

Von: Patricia Huber

Kommentare

Durch eine Strompreisbremse sollen Verbraucher vor explodierenden Kosten geschützt werden. Darauf hat sich die Ampel geeinigt. Aber wie funktioniert das Modell überhaupt und wer zahlt?

Berlin/Brüssel – Neben dem Gaspreis sind auch die Preise für Strom in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Am Montag (5. September) lag der Börsenstrompreis bei 353 Euro pro Megawattstunde. Zum Vergleich: Im August 2021 kostete eine Megawattstunde noch 82 Euro. Mittlerweile müssen Energieversorger also 455 Prozent mehr bezahlen – und das lassen sie auch die Verbraucher spüren. Hier soll jetzt die Strompreisbremse aus dem dritten Entlastungspaket Abhilfe schaffen. Doch wie funktioniert die überhaupt? Wer soll das bezahlen? Und wie viel sparen Verbraucher dadurch? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Woher kommt der Strom überhaupt?

Strom wird klassisch in Kraftwerken produziert, etwa durch die Verbrennung von Kohle, Erdgas oder Kernbrennstoffen. Oder erneuerbar etwa durch Wind, Sonne oder Biogas. Im ersten Quartal 2022 lag der Anteil der Kohle an der ins Netz eingespeisten Strommenge nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 31,5 Prozent, gefolgt von Windstrom mit 30,1 Prozent und Erdgas mit 13,0 Prozent. Sonnenstrom kam auf einen Anteil von 6,3 Prozent, Atomstrom auf 6,0 und Biogas auf 5,4 Prozent. Der Rest entfiel auf weitere Energieträger wie Wasserkraft und andere.

Ist genügend Strom da?

Ja, eigentlich immer. Wird im Netz besonders viel Strom gebraucht, springen besondere Kraftwerke an, die sehr schnell Strom produzieren können. Stromausfälle kommen trotzdem vor: Im ganzen Jahr 2020 hatten Letztverbraucher in Deutschland im Schnitt 10,73 Minuten lang keinen Strom. Dies war die bisher geringste Ausfallzeit seit der ersten Erhebung durch die Bundesnetzagentur 2006.

Wie entsteht der Strompreis überhaupt?

Derzeit wird der Strompreis in Europa vor allem von teuren Gaskraftwerken bestimmt, die zur Stromproduktion genutzt werden. Da der Gaspreis vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine stark gestiegen ist, ist auch Strom teurer geworden. Das liegt daran, dass sich der Strompreis nach der teuersten Energiequelle richtet, die zur Produktion benötigt wird. Ist die Nachfrage niedrig, reicht günstiger Strom etwa aus Wind, Sonne oder Atomkraft. Derzeit müssen aber teure Gaskraftwerke eingeschaltet werden, um die hohe Nachfrage zu decken. Andere Energiefirmen, die billiger Strom produzieren, machen große Gewinne, weil sie ihren Strom auch zu dem höheren Preis verkaufen können. Ein Teil dieser „Zufallsgewinne“ soll abgeschöpft und für die Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher genutzt werden.

Der Preis, den Verbraucher dann tatsächlich für Strom zahlen, setzt sich aus dem Preis im Großhandel zusammen sowie verschiedenen Umlagen und Netzentgelten. Es macht auch einen Unterschied, ob man etwa langfristige Verträge zu einem festen Preis abgeschlossen hat.

Ein Stromzähler
Eine Strompreisbremse soll Verbraucher vor explodierenden Kosten schützen. © Bernd Thissen/dpa

Wie genau soll die Entlastung beim Strompreis aussehen?

Privathaushalte sowie kleinere Unternehmen sollen mit Hilfe dieser abgeschöpften „Zufallsgewinne“ die Strommenge für einen „Basisverbrauch“ zu einem vergünstigten Preis erhalten. Für diese Strommenge gilt die sogenannte Strompreisbremse.

Wie hoch fällt die Entlastung dann schließlich aus?

Laut einer von Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) veröffentlichten Beispielrechnung könnte der Basisverbrauch bei 75 Prozent des Durchschnittsverbrauchs liegen. Der Strompreisdeckel für diese Menge könnte laut der Rechnung bei 30 Cent je Kilowattstunde liegen. Bezuschusst werden sollen auch die Netzgebühren. Familien mit Kindern mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden (kWh) könnten so laut der vorläufigen Beispielberechnung um über 300 Euro im Jahr entlastet werden. Ob die neue Strompreisbremse für alle Haushalte gelten soll oder nur für jene mit geringem Einkommen, ließ das Bundeswirtschaftsministerium am Montag aber offen.

Was hat der Plan der Koalition mit den Maßnahmen der EU-Kommission gegen hohe Strompreise zu tun?

Bei der Abschöpfung von übermäßigen Gewinnen setzt die Bundesregierung auf europäische Maßnahmen. Die EU-Kommission hatte in einem Entwurf vorgeschlagen, eine Obergrenze für den Erlös von Unternehmen einzuführen, die Strom aus billigeren Quellen als Gas herstellen – wie Wind, Sonne, Atomkraft oder Kohle. Was über diesen Maximalpreis hinausgeht, soll vom Staat abgeschöpft und an Verbraucher umverteilt werden – ähnlich wie bei einer Übergewinnsteuer.

Die Energieminister werden sich mit den Vorschlägen bei einem Sondertreffen am Freitag beschäftigen. Einigen sie sich darauf, könnte die Kommission die Maßnahme kurzfristig in Gesetzesform umsetzen. Wenn es auf EU-Ebene nicht schnell genug geht, will die Bundesregierung eine solche Erlösobergrenze selbst umsetzen. Bis wann genau, ist offen.

Was hält die Energiewirtschaft von den Plänen?

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt die Ankündigungen. „Wichtig ist, dass die Maßnahmen schnell wirken und für die Energieversorgungsunternehmen umsetzbar sind“, hieß es in einer Stellungnahme. Der Verband rechnet damit, dass die Entlastungen die Preissteigerungen dämpfen können. „Weiterhin muss jedoch klar sein, dass das Einsparen von Energie bei Haushalten und bei den Unternehmen weiterhin das Gebot der Stunde sind, damit wir am Ende gut über den Winter kommen.“

Unser kostenloser Wirtschafts-Newsletter versorgt Sie regelmäßig mit allen relevanten News aus der Wirtschaft. Hier geht es zur Anmeldung.

Der Chef des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber, fordert, dass die Abschöpfung der Zufallsgewinne so gestaltet wird, „dass die Funktionsweise des Marktes und die Investitionsfähigkeit der Unternehmen unter allen Umständen erhalten bleibt“. (dpa/ph)

Auch interessant

Kommentare