Strompreiserhöhungen "ein Raubzug"

Berlin/München - Als "Raubzug durch die Einkommen der Menschen" hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die für das neue Jahr angekündigten Strompreiserhöhungen bezeichnet. Der SPD-Politiker sagte, die zunehmende Bereitschaft der Stromkunden zum Anbieterwechsel zeige jedoch erste Wirkung.

Er lobte Äußerungen von RWE-Chef Jürgen Großmann, der alternative Strompreismodelle und ein Strompreismoratorium ins Gespräch gebracht hatte.

Gabriel unterstützte ausdrücklich die neue Kampagne der Verbraucherzentralen, den Stromanbieter zu wechseln. Dies sei eine "sehr erfolgversprechende Strategie". Für die angekündigten Strompreiserhöhungen gebe es keine Begründung, die sich auf Auswirkungen von Gesetzgebung oder Rohstoffpreise berufen könne. Im vergangenen Jahr habe der Durchschnittserlös für eine Kilowattstunde erstmals über zehn Cent gelegen. Mit einer weiteren Erhöhung zum Jahreswechsel wollten die Konzerne vielmehr eine zweite Runde "leistungsloser Gewinne" einläuten, erklärte Gabriel. In der ersten Runde hätten sie bereits Verschmutzungszertifikate kostenlos erhalten.

Der Vorstand der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv), Gerd Billen, erklärte, neben Eon und RWE wollten mindestens 318 weitere Versorger die Strompreise um bis zu 25 Prozent erhöhen. Gerade Familien könnten 50 bis 240 Euro durch einen Wechsel sparen. "Jeder Wechsel lohnt sich", sagte er. In 90 Prozent der Fälle sei zudem Ökostrom billiger als der normale Strom des Grundversorgers.

Die Bundesnetzagentur rechnet den Angaben zufolge mit einer Million Wechslern im laufenden Jahr. Das seien doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. 96 Prozent der 6300 befragten Stromkunden wollen ihren Stromanbieter wechseln. Rund acht Prozent hätten erklärt, ihren Anbieter seit August gewechselt zu haben. 2,2 Prozent hätten sich für Ökostrom entschieden. Hier die wichtigsten Tipps:

Kurze Laufzeiten: Beim Wechsel des Stromversorgers sollten Verbraucher auf kurze Vertragslaufzeiten und kurze Kündigungsfristen achten. Die Verträge sollten höchstens ein Jahr laufen und zum Ende des Kalendermonats gekündigt werden können, rät der Verbraucherzentrale Bundesverband. Preisvergleich: Bei einem Preisvergleich sollten immer die Bruttoendpreise zugrunde gelegt werden. Formalitäten: Der Wechsel ist nach Angaben der Verbraucherschützer einfach: Wer seinen Strom bislang vom Grundversorger ­ meist den örtlichen Stadtwerken ­ bezieht, hat eine Kündigungsfrist von einem Monat zum Ende des darauf folgenden Kalendermonats. Andere Stromversorger oder spezielle Verträge mit dem Grundversorger sehen allerdings oft längere Kündigungsfristen vor. Ein Sonderkündigungsrecht besteht oft bei Preiserhöhungen. Nicht selbst kündigen: Es biete sich aber an, nicht selbst zu kündigen, sondern zuerst einen Vertrag mit einem neuen Anbieter zu schließen. Diesem sollte Vollmacht erteilt werden, den alten Vertrag zu kündigen, raten die Verbraucherschützer. Gebühren für einen Wechsel dürfen nicht erhoben werden. Technik kein Problem: Auch technisch sind keinerlei Änderungen ­ etwa am Stromzähler ­ nötig. Die Wartung und Ablesung übernehme weiterhin der örtliche Netzbetreiber. Möglicherweise werde aber vereinbart, dass der Kunde nach einem Wechsel selbst den Zählerstand ablesen und dem Netzbetreiber mitteilen muss. Vorsicht geboten: Vorsicht sei geboten, wenn ein Anbieter Vorkasse, eine Kaution oder Mindestabnahmemengen verlangt. Bonuszahlungen seien nicht immer aussagekräftig, da der Bonus oft nur für ein Jahr gilt und andere Anbieter auf längere Sicht günstiger sein können. Geht ein Stromversorger pleite, müssen die Kunden sich keine Sorgen machen: Der örtliche Grundversorger sei dann gesetzlich dazu verpflichtet, einzuspringen.

merkur-online.de/links

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