Strucks Streichliste: Bayerische Industriestandorte sind gerettet

- München - Die Zahl klang nach Kahlschlag: 26 Milliarden Euro will Verteidigungsminister Peter Struck bei der Bundeswehr sparen. Die Industrie beklagte bereits vorab Schäden für den Standort. Doch nun kommt alles nicht so schlimm.

<P>Auffällig war: Der als Sprachrohr der High-Tech-Rüstungsunternehmen geltende Verband der Luft- und Raumfahrtindustrie hielt sich mit Stellungnahmen im Vorfeld zurück. Dagegen warnte der BDI, der auch die klassischen Panzerschmieden vertritt, vor einem Ausverkauf deutscher Spitzentechnologie. Mit zweifelhaftem Erfolg: Die High-Tech-Projekte überleben mit geringfügigen Einschränkungen. Dafür wird am Stahl gesägt. Die Börse reagierte entsprechend: Rheinmetall ließ Federn, während die Aktie des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS stieg.<BR><BR>Vor allem an zwei Standorten in Südbayern wurde Strucks Streichliste entgegengefiebert: Unterschleißheim und Schrobenhausen, wo die EADS ihre Lenkflugkörper-Aktivitäten konzentriert. Schon die Streichung des lichtwellengesteuerten Flugkörperprojekts "Polyphem" im letzten Jahr ging an die Substanz - und kostete rund 150 Arbeitsplätze. Doch zwei weitere Großprojekte sind jetzt gerettet. Das transatlantische Raketenabwehrprojekt MEADS sowie die Ausrüstung des Kampfhubschraubers Tiger mit der Panzerabwehrrakete PARS3 - beide Projekte galten als Wackelkandidaten. </P><P>Eine Streichung hätte für den ohnehin kleinen EADS-Bereich Lenkflugkörper das Aus bedeuten können. Jetzt sieht man sich auch im europäischen Verbund gestärkt.<BR><BR>Nicht weniger wichtig für Südbayern ist die Bestätigung für die Bestellung von 180 Jagdflugzeugen vom Typ Eurofighter, was vor allem den Standort Manching bei Ingolstadt stärkt, und von 125 Transporthubschraubern NH 90, der Arbeitsplätze unter anderem im schwäbischen Donauwörth sichert.<BR><BR>So musste die EADS eigentlich nur eine Kröte schlucken: Das Raketenabwehrsystem Patriot, das von der EADS in Lizenz gefertigt wird, soll nicht mehr auf den neuesten Stand gebracht werden. Einsparungen im kleinen dreistelligen Millionenbereich sind allerdings für Dimensionen von Rüstungsaufträgen eher ein kleiner Fisch. An den fliegenden Fischen - auch dem neuen Militär-Airbus A400M - gingen die Kürzungen vorbei.<BR><BR>Das kann daran liegen, dass solche Projekte meist in internationalen Kooperationen entwickelt werden und bereits in zahlreichen Verträgen festgezurrt sind. Streichungen bei den Stückzahlen sind dann zwar möglich. Doch sie erhöhen den Stückpreis erheblich. So etwas läuft dem Sparziel entgegen.<BR><BR>Die EADS sieht sich bestärkt. Die Konzentration auf internationale Eingriffsfähigkeit könne auf die besonderen technologischen Fähigkeiten des Konzerns zurückgreifen, so Pressesprecher Rainer Ohler. Die Arbeitsplätze seien gesichert.<BR><BR>Dagegen gehört der Zweig der klassischen Rüstungsindustrie zu den Reform-Verlierern: Die Beschaffung von 10 000 Lastwagen wird aufgeschoben - ein Milliardenprojekt. Der deutsch-niederländische Radpanzer GTK wird zwar gebaut. Die Stückzahl aber wird erst später festgelegt. Auch eine Aufklärungsdrohne für die Marine wird nicht weiterverfolgt. Hier werden sich die Deutschen an einem gemeinsamen Nato-System beteiligen.</P> 

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