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Bayerische Unternehmen exportieren nicht nur, sie produzieren auch in den USA und schaffen dort viele Arbeitsplätze – laut einer aktuellen Studie gut eine halbe Million (im Bild: das BMW-Werk in Spartanburg)

Diskussion um Strafzölle

Bayern sorgt für 528.500 Jobs in den USA

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Bayern exportiert mehr in die USA, als es importiert. US-Präsident Trump will das – auch mithilfe von Strafzöllen – ändern. Die bayerische Wirtschaft stemmt sich dagegen.

München – Die bayerische Wirtschaft wehrt sich gegen Pläne der US-Administration, Strafzölle auf europäische Produkte zu erheben. Sie verweist auf eine Studie, der zufolge bayerische Unternehmen für mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze in den USA sorgen.

„America first“ lautet das Motto, unter das US-Präsident Donald Trump seine Wirtschaftspolitik gestellt hat. Mit dem Versprechen, den Wirtschaftsstandort USA zu stärken, für Wertschöpfung, Beschäftigung und Wohlstand zu sorgen, hat er sich die Präsidentschaft gesichert. Dabei ist ihm vor allem das chronische Defizit in der amerikanischen Handelsbilanz ein Dorn im Auge. Trump wertet die hohen Einfuhrüberschüsse negativ, weil sie aus seiner Sicht Arbeitsplätze in den USA vernichten. Länder mit hohem Handelsüberschuss wie etwa China oder Deutschland profitierten seiner Meinung nach dagegen.

Mit verschiedenen Maßnahmen steuert Trump also nun gegen. Während die Senkung der Unternehmenssteuer, die für mehr Investitionen im Land sorgen soll, noch von vielen Seiten gewürdigt wurde, stehen die jüngsten Pläne des Präsidenten international in der Kritik. Nach der Ankündigung von US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium berät die EU bereits Gegenmaßnahmen. Ökonomen befürchten einen Handelskrieg, der sich negativ auf alle Beteiligten auswirken würde – auch auf bayerische Unternehmen, die stark vom Export abhängig sind.

USA ist wichtigster Handelspartner der EU

Die USA sind nicht nur wichtigster Handelspartner der Europäischen Union – nach Angaben der EU-Kommission beläuft sich der Handel zwischen den beiden Seiten auf rund ein Drittel des gesamten Welthandels. Direktinvestitionen und der freie Handel haben Bayern und wirtschaftlich eng mit den USA verzahnt. Der Freistaat exportierte 2017 Waren im Wert von 21,5 Milliarden Euro in die USA – so viel wie in kein anderes Land der Welt.

Was der US-Präsident kritisch sieht, bewertet die bayerische Wirtschaft durchweg positiv. Das große Engagement der bayerischen Wirtschaft schaffe in hohem Umfang Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den USA, heißt es seitens der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). „Unsere Unternehmen sorgen für 528.500 Arbeitsplätze und stehen für 0,5 Prozent des gesamten US-amerikanischen Wertschöpfung“, erläutert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw, gegenüber unserer Zeitung. Dieser ökonomische Erfolg dürfe nicht durch die Pläne der US-Administration für mehr Protektionismus und Strafzölle gefährdet werden. Die Zahlen sind das Ergebnis einer Studie der TwinEconomics GmbH (in Auftrag gegeben von der vbw) über den „ökonomischen Impact der bayerischen Wirtschaft in den USA“.

Laut der Studie tragen die bayerischen Unternehmen durch direkte wirtschaftliche Aktivitäten in ihren US-Betriebsstätten, aber auch über indirekte Effekte 67 Milliarden Euro zur Wertschöpfung in den USA bei – und sichern knapp 530.000 Jobs. Die USA sind laut Studie zudem das Land mit den meisten Direktinvestitionen von bayerischen Unternehmen – insgesamt 62 Milliarden Euro. „Damit gehen rund 31,5 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen des Freistaats in die USA. Zum Vergleich: In der gesamten EU-28 haben bayerische Unternehmen 63 Milliarden Euro investiert“, heißt es in der Studie.

Bayerische Unternehmen als Beschäftigungsmotor

„Bayerische und deutsche Unternehmen schaffen Wohlstand in den USA“, so Brossardt. Jeder Euro, den bayerische Unternehmen in den USA direkt erwirtschafteten, erzeuge weiter 90 Cent in anderen US-amerikanischen Unternehmen. Bayerische Unternehmen seien zudem ein Beschäftigungsmotor: „Jeder Beschäftigte eines bayerischen US-Unternehmens sichert 1,8 weitere Arbeitsplätze vor Ort“, so Brossardt. Die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Bayern und den USA sichert demnach Arbeitsplätze – was eigentlich ganz in Trumps Sinn sein dürfte.

Lesen Sie auch: Dramatische Folgen für Deutschland? Trump will am Donnerstag Strafzölle verhängen

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