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Einsames Windrad: Den Ausbau der erneuerbaren Energie fördert die Regierung in den nächsten Jahren mit Milliarden.

Studie: Energiewende kostet 96 Milliarden

München - Bayerns Wirtschaft hat erneut vor Milliarden-Belastungen durch die Energiewende gewarnt. So würden die Zusatzkosten bis 2030 insgesamt knapp 96 Milliarden Euro betragen, ergab eine Studie im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft.

Nein, Bayerns Wirtschaft lehne den geplanten Ausstieg aus der Atomenergie keinesfalls ab, betont Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) bei der Vorstellung der Gutachten in München. Entscheidend sei allerdings eine faire Lastenverteilung.

„Es darf keine Gefährdung unseres Industriestandorts durch die Energiewende geben.“ Brossardt sieht vor allem energieintensive Branchen wie die Chemie- und Papierindustrie in Bayern im Nachteil. Der vbw-Chef forderte daher die geplanten Ausnahmeregelungen auszuweiten – etwa durch eine flexible Grenze, ab der die Sonderregeln gelten.

Brossardt stützt sich auf zwei Studien, die der Wirtschaftsverband beim Prognos-Institut und bei der Technischen Universität (TU) Berlin in Auftrag gab. Danach liegen die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030 bei 335 Milliarden Euro. Die Berechnung basiert auf dem Ziel der Bundesregierung, den Anteil von Sonne, Wind und Biogas an der Stromerzeugung bis 2020 auf 35 Prozent und bis 2030 auf 50 Prozent zu erhöhen. Nicht berücksichtigt ist, dass auch ohne den Atomausstieg Milliarden-Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien angefallen wären. Die reinen Zusatzkosten bezifferte TU-Professor Georg Erdmann auf zwei Siebtel von 335 Milliarden Euro – also rund 96 Milliarden Euro.

An Zahlen-Spekulationen will sich der Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, nicht beteiligen. „Ich kann die Zahlen weder bestätigen noch dementieren.“ Otto räumt allerdings ein, dass es die Energiewende nicht zum Nulltarif gebe. „Wir stehen vor einer gewaltigen Aufgabe – vergleichbar mit der Wiedervereinigung“, sagt Otto. Der Atomausstieg zwinge auch zum Bau neuer fossiler Kraftwerke und damit zu einem steigenden CO2-Ausstoß.

Besonders treffe die Energiewende Bayern, so Michael Schlesinger vom Prognos-Institut. Etwa die Hälfte des Stroms im Freistaat stammt derzeit noch aus Atomkraftwerken. Durch die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke entstehe ab 2015 eine Versorgungslücke, heißt es in der Studie. Bayern sei damit langfristig auf Importe angewiesen. Insgesamt bleibe die Energieversorgung in Deutschland aber gewährleistet, so die Autoren. Brossardt kritisierte, dass der Freistaat freiwillig seine Stromautarkie aufgegeben habe.

Staatssekretär Otto verweist dagegen auf die Chancen der Energiewende. Zwar sei Deutschland derzeit quasi das „Versuchslabor“ für den Atomausstieg. Gelinge es allerdings, die Energiewende vernünftig zu gestalten, sei das Wissen der deutschen Industrie weltweit gefragt.

Einen Seitenhieb auf Bayerns Staatsregierung kann sich Otto allerdings nicht verkneifen. Um den Anstieg der EEG-Umlage einzudämmen, habe sich das Wirtschaftsministerium für eine deutliche Kürzung der Förderung stark gemacht. Der Vorstoß scheiterte jedoch vor allem am Widerstand eines Landes – nämlich Bayern. „Eine weitere Senkung der EEG-Umlage darf kein Tabu sein“, sagt Otto. Brossardt nickt zustimmend.

Steffen Habit

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