Studie: Ich-AG besser als ihr Ruf

- München - Die "Ich-AG" schaffte es 2002 sogar zum Unwort des Jahres. Die Förderung für Existenzgründer ist jedoch weit erfolgreicher als oft behauptet, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg mit. Dies gelte auch für das Überbrückungsgeld. "Insgesamt vermeiden beide Programme erfolgreich eine Rückkehr in die Arbeitslosigkeit", so das Urteil der Forscher. Allerdings fordern die Wissenschaftler auch Korrekturen, wie eine Verkürzung der Bezugsdauer.

Die Ich-AG-Förderung läuft Mitte des Jahres aus. Die Große Koalition diskutiert derzeit neue Modelle - geplant ist eine Zusammenlegung der Ich-AG und des Überbrückungsgeldes zu einem Instrument. "Wir plädieren dafür, die Stärken beider Programme zu vereinen", sagt IAB-Gründungsexperte Frank Wießner. So sei es durch die Ich-AG gelungen, mehr Arbeitslose als bisher für die Selbstständigkeit zu gewinnen.

Der IAB-Studie zufolge waren eineinhalb Jahre nach Gründung noch 70 Prozent der Überbrückungsgeld-Gründer und knapp 80 Prozent der Inhaber von Ich-AGs noch immer selbstständig. Weniger als 15 Prozent waren wieder arbeitslos. "Vor dem Hintergrund der oft behaupteten hohen Abbrecherquote bei Ich-AGs ist dieser Anteil relativ gering", sagt Wießner. Zudem seien etwa 12 Prozent der Ich-AG-Abbrecher und acht Prozent der bisherigen Übergangsgeldbezieher wieder in einem sozialversicherungspflichtigen Job.

"Es fehlt uns statistisches Material, um zu prüfen, was aus jedem Geförderten geworden ist", so Wießner. Beispielsweise könnte eine Ich-AG so gut laufen, dass bereits nach dem ersten Jahr die Grenze von 25 000 Euro Jahreseinkommen überschritten wird. Derzeit wird die Ich-AG im ersten Jahr monatlich mit 600 Euro gefördert, im zweiten Jahr mit 360 Euro und im dritten Jahr mit 240 Euro. Das Überbrückungsgeld, das maximal sechs Monate bezahlt wird, richtet sich dagegen nach dem letzten Gehalt.

Allerdings übt IAB-Experte Wießner auch Kritik an der Unterstützung für Existenzgründer: "Die Förderung über drei Jahre ist eher unglücklich, weil dadurch ein Subventionscharakter entstehen könnte." In der Praxis bedeutet das, Jungunternehmen würden auch am Markt gehalten, wenn sie sich kaum rechnen. Wießner plädiert daher dafür, die Förderdauer etwa auf ein Jahr zu verkürzen. Außerdem sprach er sich dafür aus, die Eignung der Gründer und ihrer Geschäftsideen besser zu kontrollieren.

Weniger positiv beurteilt der Bundestagsabgeordnete Stefan Müller (CSU) die Ich-AGs: "Einzeln betrachtet sind sie ein Rohrkrepierer", sagt der Obmann der CDU/CSU-Fraktion für den Arbeits- und Sozialausschuss. So hätten weit weniger Arbeitslose wieder einen Job gefunden als erwartet. "Viele haben die Förderung aus Mangel an Alternativen beantragt." Zwar sprach sich Müller für eine Gründerförderung aus. "Sie muss aber zielgerichtet sein", betont der Erlanger CSU-Politiker. "Denn was bringt es, wenn der Gründer nach dem Förderzeitraum wieder arbeitslos ist?"

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