+
Inkassounternehmen nehmen von Schuldnern immer mehr Geld. Foto: Bodo Marks

Eklatante Kostensteigerungen

Studie: Inkassounternehmen zocken immer mehr ab

Berlin (dpa) - Inkassounternehmen verlangen von Schuldnern immer höhere Gebühren. Ein 2013 verabschiedetes Gesetz hat damit eines seiner Kernziele verfehlt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag des Justizministeriums, über die zuvor die "Bild am Sonntag" berichtete. Das Gesetz sollte die Kosten eigentlich begrenzen.

Die Autoren der Untersuchung schildern eklatante Kostensteigerungen. "So summiert sich eine 30-Euro-Bestellung im Internet bei Nichtzahlung ohne Einrechnung der Mahnkosten des ursprünglichen Gläubigers schon mit dem Erstanschreiben auf 100,20 Euro und verdreifacht sich somit", heißt es in dem Bericht. "Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass das Bedrohungspotenzial, welches durch die Inkassobranche gegenüber den Schuldnern aufgebaut wird, immens ist", schreiben die Autoren. Sie schlagen unter anderem vor, dass eine Bundesbehörde die zentrale Aufsicht übernehmen sollte.

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick sagte der "Bild am Sonntag": "Beim Inkasso werden oft genau die Menschen über Gebühr belastet, die bereits wenig Geld haben. Dass hier immer noch Abzocke möglich ist, müssen sich SPD, CDU und CSU zuschreiben lassen." Es sei jetzt höchste Zeit für eine neue Regelung.

Das Justizministerium teilte auf Anfrage mit, die Untersuchung gebe die Einschätzung der Autoren wider. Eine Sprecherin räumte aber ein, die Studie zeige, "dass das gesetzgeberische Ziel, die Inkassokosten zu senken, nicht erreicht wurde". Die Vorschläge der Autoren sowie weitere Stellungnahmen sollten nun für die anstehende Neuregelung ausgewertet werden. Die große Koalition hat vereinbart, die Aufsicht über Inkassounternehmen zu verstärken und das Inkassorecht verbraucherfreundlicher zu machen.

Studie im Auftrag des Justizministeriums

Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Siemens darf weiter auf Milliarden-Auftrag im Irak hoffen
Ausbau der Stromnetze im Irak - solch ein Auftrag ist milliardenschwer. Trump versuchte, ihn mit politischem Druck in die USA zu holen. Aber auch Siemens darf weiter …
Siemens darf weiter auf Milliarden-Auftrag im Irak hoffen
Milliarden-Auftrag für Siemens im Irak rückt näher - Chancen gegen GE
Aufatmen bei Siemens. Nach einer längeren Zitterpartie sind die Münchner einem möglichen Zuschlag für ein Milliarden-Geschäft im Irak einen wichtigen Schritt …
Milliarden-Auftrag für Siemens im Irak rückt näher - Chancen gegen GE
Flowtex-Insolvenzverfahren vor Abschluss
Der Skandal des Bohrmaschinen-Händlers Flowtex brach in jeder Hinsicht Rekorde: größter deutscher Betrugsfall seit 1945, über 120 Ermittlungsverfahren, …
Flowtex-Insolvenzverfahren vor Abschluss
Wasserstand in Flüssen stellt Wirtschaft vor Probleme
Es ist so trocken in Deutschland wie selten, die Natur braucht dringend Regen. Auch die Wirtschaft würde sich freuen über Niederschlag, dann würden die Pegel steigen - …
Wasserstand in Flüssen stellt Wirtschaft vor Probleme

Kommentare