Studie: Mehr Arbeit bringt nicht mehr Beschäftigung

- Nürnberg - Längere Arbeitszeiten werden dem deutschen Arbeitsmarkt nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) momentan nicht weiterhelfen. Sie würden sogar zu noch weniger Neueinstellungen führen.

In ihrem jüngsten Bericht beklagen die Arbeitsmarktforscher Eugen Spitznagel und Susanne Wanger erhebliche Defizite in der politischen Diskussion. Die Argumention werde oft aus einzelwirtschaftlicher Perspektive geführt. "Gesamtwirtschaftliche Aspekte werden weitgehend vernachlässigt", lautet das Fazit der Wissenschaftler.<BR><BR>Noch ist die Konjunktur auch aus der Sicht von Wirtschaftsforschern und Bank-Analysten so schwach, dass zusätzliche Aufträge mit bestehendem Personal und durch Überstunden abgearbeitet werden. Neueinstellungen - das sagt auch Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA) - werden erst bei einem Wirtschaftswachstum von zwei plus X Prozent vorgenommen. Bisher galt 0,5 als X.<BR><BR>Das belegen auch Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt nach jüngsten Berechnungen mit insgesamt 38,18 Millionen um 100 000 unter Vorjahresniveau.<BR><BR>Der schlichte Dreisatz "Zehn Prozent längere Arbeitszeit bedeutet zehn Prozent weniger Beschäftigung und entsprechend mehr Arbeitslose" lässt sich jedoch nicht anwenden. "Im Moment fehlt es vor allem an der notwendigen Güternachfrage", sagt Spitznagel. Die Produktivität der Beschäftigten nehme mit zunehmender Stundenzahl ab. Auch Motivationsverluste sind aus der Sicht der Wissenschaftler nicht zu unterschätzen.<BR><BR>Dennoch: "Eine Arbeitszeitverlängerung würde den Einstellungsdruck, der von einer konjunkturellen Belebung ausgeht, abschwächen", heißt es im IAB-Kurzbericht. Bei entsprechend niedriger Auslastung der Kapazitäten würde aber der Entlassungsdruck steigen. Zumindest kurzfristig würde das die Beschäftigungsentwicklung bremsen.<BR><BR>Die meisten arbeiten ohnehin länger als allgemein bekannt. Mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 39,9 Stunden liegt Deutschland laut EU-Arbeitskräfteerhebung im Mittelfeld. Eine mit 29,1 Tagen vergleichweise hohe Zahl von Urlaubstagen wird durch weniger bezahlte Feiertage zumindest teilweise kompensiert. Mit durchschnittlich 10,5 liegt Deutschland knapp unter dem europäischen Mittelwert. Das Fazit der Wissenschaftler: "Deutschland ist im europäischen Vergleich keineswegs Freizeitweltmeister."

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