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Die Ansprüche an ans Wohnen haben sich in den letzten 20 Jahren gewandelt. Eine Studie erklärt, worauf die Bayern achten.

Neue Studie

Mehr Singles, mehr Platzbedarf: So leben die Bayern

München - Wie wollen wir wohnen? Die Ansprüche sind in den vergangenen 20 Jahren gewachsen - vor allem was den Platz betrifft.  Worauf die Bayern besonderen Wert legen, zeigt eine neue Studie.

Die Ansprüche ans Wohnen sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewaltig gewachsen. Sowohl die verbrauchten Quadratmeter pro Kopf als auch die durchschnittliche Größe von Häusern und Wohnungen hat sich in dieser Zeit um ein Viertel vergrößert.

Mehr Platz pro Kopf

Bayerns Bewohner beanspruchen immer mehr Wohnraum. Die Wohnfläche pro Kopf ist innerhalb der vergangenen 20 Jahre stark gewachsen. Das geht aus dem Wohnreport der LBS Bayern hervor. Standen 1993 jedem Bewohner im Freistaat noch durchschnittlich rund 38 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung, waren es vergangenes Jahr über 47. Das ist ein Anstieg von fast 25 Prozent innerhalb von zwei Jahrzehnten. Damit setzt sich ein Trend fort, der seit Jahren zu beobachten ist. Menschen im Alter leben zunehmend allein, Ehen zerbrechen. „Wir beobachten eine zunehmende Singularisierung der Haushalte“, sagt Dominik Müller von der LBS Bayern.

Größere Wohnungen

Entsprechend wächst der Bedarf an Wohnraum. Besonders deutlich wird der Trend beim Blick auf Neubauten: Waren Häuser und Wohnungen, die 1993 neu gebaut wurden, im Durchschnitt 91 Quadratmeter groß, waren es 20 Jahre später 112 Quadratmeter – auch das ein Anstieg von fast 25 Prozent. „Wohnen wird immer häufiger nicht nur als Grundbedürfnis, sondern als wesentlicher Teil der Lebensqualität empfunden. Das Zuhause dient als Raum zur persönlichen Entfaltung, der bestmöglich gestaltet sein soll“, heißt es bei der LBS Bayern. Deshalb seien die Ansprüche nicht nur an die Ausstattung, sondern auch an die Größe des Wohnraums in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen.

Starker Zuzug

Der Anstieg des Bedarfs lässt sich aber nicht allein durch die Zunahme der Single-Haushalte und persönlicher Entfaltung erklären. Der Freistaat sieht sich mit einem zweiten Phänomen konfrontiert: „Bayern ist anders als andere Bundesländer nach wie vor ein Zuzugsland“, sagt Müller. Und der Bedarf an Wohnraum ist höher als die Zahl der Neubauten. Die LBS-Experten berichten, dass in Bayern im vergangenen Jahr über 41 000 neue Wohneinheiten entstanden sind: „Nötig sind aber etwa 70 000 Wohneinheiten pro Jahr.“ Am eifrigsten gebaut wird in Feucht (Landkreis Nürnberger Land). Dort entstanden vergangenes Jahr 20,5 Wohnungen je 1000 Einwohner. Viel gebaut wurde auch in Hallbergmoos (Landkreis Freising), wo 18,5 Wohnungen je 1000 Einwohner entstanden. Zum Vergleich: In München kamen nur 4,9 Wohnungen auf 1000 Einwohner.

Mehr Haushalte

Gleichzeitig verteilt sich die Bevölkerung auf immer mehr Haushalte. Im Durchschnitt leben in Bayern noch zwei Personen unter einem Dach – wobei die Zahl je nach Landkreis stark variiert (siehe Grafik). Dass in Balderschwang im Oberallgäu besonders wenige Menschen in einer Wohnung leben, ist nach Ansicht der Experten der besonderen Struktur der Region geschuldet: „Dies hängt damit zusammen, dass der Ort im Oberallgäu ein beliebtes Touristenziel ist und Ferien- beziehungsweise Zweitwohnungen den Wert verzerren“, schreiben die Experten.

Große Unterschiede auch bei der Größe der Wohnungen. Während die Menschen im niederbayerischen Geratskirchen (Kreis Rottal-Inn) durchschnittlich 154,8 Quadratmeter Fläche bewohnen, sind es in München gerade einmal 72 Quadratmeter – das ist weniger die Hälfte.

Platz zum Wohnen

Bayern ist mit einer Fläche von 70 500 Quadratkilometern das größte deutsche Bundesland. Etwa die Hälfte davon ist Landwirtschaftsfläche und gut ein Drittel Waldfläche. Für Wohngebäude werden nur drei Prozent der Fläche in Anspruch genommen. Doch auch die sind sehr ungleich verteilt: Während in München 4581 Einwohner pro Quadratkilometer leben, sind es in Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen statistisch nur 6,5. Die Voralpen-Gemeinde ist schließlich umringt von der 1800 Meter hohen Benediktenwand im Norden, dem Walchensee im Westen, etwas weiter südlich erhebt sich das Karwendel. Viel Platz zum Wohnen gibt es hier nicht. Im Durchschnitt leben auf einem Quadratkilometer Bayern 179 Menschen.

Sebastian Hölzle

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