Studie: Mittelstand bleibt zurückhaltend

- Frankfurt/Main - Der deutsche Mittelstand hat von der Konjunkturerholung im vergangenen Jahr laut einer Studie weniger stark als die Großunternehmen profitiert. Ziehe 2005 nicht nur der Export, sondern auch die Binnennachfrage an, könnte sich der Abstand aber wieder verringern. Das ist ein Ergebnis des "Mittelstandsmonitors 2005", den die KfW-Bankengruppe am Donnerstag gemeinsam mit Wirtschaftsforschungsinstituten in Frankfurt vorstellte.

"Ein bisschen Dur, etwas mehr Moll", fasste der Creditreform-Vorstand Helmut Rödl die Lage der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Deutschland zusammen. Mit größeren Impulsen für neue Arbeitsplätze sei vorerst nicht zu rechnen.<BR><BR>Die Verlagerung von Produktion nach Osteuropa hält sich laut der Studie in Grenzen. Nur eines von 1000 mittelständischen Unternehmen sei mehrheitlich an Firmen in Mittel- und Osteuropa beteiligt. Allerdings exportiere bereits jedes zehnte Produkte in die neuen Märkte. "Von einer Flucht des Mittelstands nach Osten kann daher keine Rede sein, und sie ist auch nicht zu erwarten", sagte KfW-Vorstandssprecher Hans Reich. Dennoch seien Ängste weit verbreitet: So sehen nur ein Fünftel der Firmen in der EU-Osterweiterung neue Chancen, während 41 Prozent der Meinung sind, dass die Risiken überwiegen.<BR><BR>Bei den Insolvenzen im Mittelstand sei auch 2004 insgesamt ein Anstieg zu erwarten, sagte Reich. In Ostdeutschland würde die Zahl der Unternehmenspleiten jedoch zurückgehen. Gleichzeitig würden immer mehr Firmen neu gegründet, so dass der Gründungsüberschuss sich deutlich erhöht haben dürfte. Zu den Gewinnern zählten die Dienstleistungsbranche, der Handel und sogar das Baugewerbe. Im Trend liegen vor allem Kleinstgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus. So hätten sich 361 000 Menschen ohne Job mit Hilfe von Überbrückungsgeld und der Ich-AG-Förderung selbstständig gemacht. Beliebt war auch die englische Rechtsform der "Limited" mit geschätzten 15 000 bis 20 000 Neugründungen.<BR><BR>Sorgen macht den Fachleuten die Stagnation bei den Innovationen im Mittelstand. Ein Hemmnis sei dabei der Mangel an Finanzierungsquellen und Fachpersonal, betonte der Präsident des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, Wolfgang Franz. Er warnte vor "hektischem Aktionismus": "Innovationsaktivitäten brauchen einen sehr langen Atem, aber sie tragen dazu bei, dass Deutschland auf einen höheren Wachstumspfad kommt." Derzeit wollen 35 Prozent der Mittelständler innerhalb der nächsten sechs Monate investieren, der langjährige Durchschnitt liegt jedoch bei 47 Prozent. KfW-Chef Reich forderte alle Beteiligten zu mehr Optimismus auf: "Wir sind besser, als wir uns machen."

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