Studie belegt: „Ölmultis nützen Iran-Krise aus“

München – Das Tanken treibt Autofahrern Tränen in die Augen – noch nie war Sprit so teuer wie derzeit. Eine Studie belegt nun: Schuld sind die Ölkonzerne, die ihre Gewinne maximieren – zu Lasten der Verbraucher.

Die Preistafeln an den Tankstellen drehen sich ohne Unterlass. Seit Wochen überschlagen sich die Meldungen über neue Rekordmarken in Sachen Sprit. Aktuell kostet ein Liter Super E10 laut ADAC rund 1,69 Euro, einen Liter Diesel gibt es für 1,57 Euro – das sind jedoch Durchschnittswerte: an einzelnen Tankstellen liegen die Preise um einige Cent darüber. Warum explodieren die Preise in diesem Ausmaß?

Eine Studie im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen hat nun eine Antwort gefunden und bestätigt damit manchen Verdacht: Die Mineralölkonzerne wollen schlicht mehr verdienen und hätten ihre Gewinne im Windschatten der Iran-Krise auf Kosten der Verbraucher ausgeweitet, kritisiert die Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn.

Rund 40 Prozent der Preiserhöhungen in den vergangenen Monaten seien auf eine Gewinnausweitung der Konzerne zurückzuführen, heißt es in der Studie. „Bei einem Absatz von 2,1 Milliarden Liter Superbenzin ergibt sich daraus eine finanzielle Mehrbelastung der Tankstellenkunden von 98 Millionen Euro pro Monat“, rechnet Steffen Bukold vor. Der Leiter des Hamburger Forschungsbüros Energy-Comment kommt zu dem Schluss, dass höhere Rohölpreise und ungünstige Wechselkurse nicht ausreichen, um den Anstieg in Gänze zu erklären.

„Wir sind nun mal die Prügelknaben der Nation“, kommentiert der Mineralölwirtschaftsverband die wachsende Kritik. „Das erstaunt uns auch nicht“, sagt Sprecherin Karin Retzlaff gegenüber unserer Zeitung. Schließlich werde Mobilität inzwischen als Grundrecht betrachtet. Dass Verbraucher angesichts der hohen Preise verärgert sind, könne man verstehen und doch sei der Anstieg berechtigt. „Die Konzerne machen keine Gewinne im Downstream-Geschäft“, erklärt sie und meint damit, dass die Mineralölfirmen nachdem der Sprit die Raffinerie verlassen hat, kaum mehr damit verdienen. Die operativen Gewinne entstünden vielmehr zwischen Bohrloch und der Verarbeitung des Erdöls in der Raffinerie.

Dass Benzin und Diesel derzeit so viel kosten wie noch nie, erklärt der Verband weiterhin mit den gestiegenen Rohölkosten, der unsicheren Lage in den erdölfördernden Ländern, sowie einem ungünstigen Wechselkurses zwischen Euro und US-Dollar. Ein Fass Rohöl koste umgerechnet 98 Euro – das seien sieben Euro mehr als im bisherigen Rekord-Jahr 2008. Die Beschaffungskosten hätten sich somit Mitte März auf rund 66 Cent pro Liter Benzin bzw. 68 Cent pro Liter Diesel verteuert. Auch wenn Libyen mittlerweile wieder so viel Erdöl liefert wie vor der Revolution, sei bislang noch keine deutliche Entspannung am Ölmarkt zu sehen, sagt Retzlaff. Die Preise dürften weiterhin hoch bleiben.

Den Berechnungen der Studie zufolge, hätten die Benzinpreise aufgrund dieser Faktoren jedoch zwischen November und März nur um 6,6 Cent pro Liter steigen dürfen, tatsächlich waren es jedoch elf Cent. „Hier haben die Konzerne die angespannte Situation für Gewinnmitnahmen ausgenutzt“, sagt Forscher Bukold. Das erkenne man am größer werdenden Preisabstand zwischen Superbenzin und Rohöl, die Spritkurve driftet steil nach oben weg. Die Erklärung des Mineralöl-Verbandes sei daher „eindeutig falsch“.

Stefanie Backs

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