+
Die Reallöhne in den 28 Mitgliedstaaten der EU steigen einer Studie zufolge in diesem Jahr voraussichtlich nur noch um 0,4 Prozent. Foto: Oliver Berg/dpa

Preise stiegen schneller

Studie: Reallöhne in Europa steigen auch im Aufschwung kaum

Europas Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Doch Arbeitnehmer haben davon recht wenig, hat eine Studie ergeben.

Düsseldorf/Frankfurt (dpa) - Vom aktuellen Wirtschaftsaufschwung bekommen Europas Arbeitnehmer recht wenig ab. Die Reallöhne in den 28 Mitgliedstaaten der EU steigen in diesem Jahr voraussichtlich nur noch um 0,4 Prozent, wie eine aStudie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

Die 1,5 Prozent aus dem Vorjahr ließen sich nicht wiederholen. Grund sind die gestiegenen Verbraucherpreise, die einen Großteil der nominalen Gehaltssteigerungen egalisieren.

Deutschland liege mit einem Reallohnzuwachs von 1,9 Prozent - also nach Abzug der Inflation - im vergangenen Jahr und prognostizierten 0,8 Prozent für dieses Jahr zwar über dem europäischen Durchschnitt, berichteten die Tarifexperten. Angesichts des stabilen Aufschwungs seien die inflationsbereinigten Zuwächse aber auch hierzulande sehr moderat.

Deutlich stärkere EU-weite Steigerungen würden nach Ansicht der Wissenschaftler die Binnennachfrage und das Wachstum in Europa beleben. Lohnzuwächse würden nicht nur die private Nachfrage stärken, sondern auch zu einer Normalisierung der Inflationsrate beitragen, schreiben die gewerkschaftlichen Ökonomen.

Die Rahmenbedingungen bildeten ein relativ günstiges Umfeld, schreiben die Autoren. So habe das Wachstum in diesem Jahr alle EU-Staaten erreicht. Die EU-Kommission geht wie im Vorjahr von einem Wachstum des Bruttosozialprodukts von 1,9 Prozent aus. Gleichzeitig nimmt die Arbeitslosenquote kontinuierlich auf noch 8,0 Prozent in diesem Jahr ab.

Die Folgen der Eurokrise im Jahr 2009 seien längst noch nicht in allen Mitgliedstaaten überwunden, hieß es. Vor allem in Südeuropa seien die Reallöhne zwischen 2010 und 2017 um bis zu 23 Prozent (Griechenland) gefallen, während es deutliche Steigerungen vor allem in Osteuropa von einem sehr niedrigen Niveau (+55,8 Prozent Bulgarien) gegeben habe. Deutschland hat in diesem Zeitraum reale Lohnzuwächse von 9,8 Prozent realisiert.

Die Lohnquote - also der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen - blieb in Deutschland konstant, konnte aber die Verluste aus den beiden vorangegangenen Jahrzehnten bislang nicht wettmachen.

Europäischer Tarifbericht des WSI 2017

Eurostat

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Regierung in Rom einigt sich auf Haushaltsentwurf
Rom (dpa) - Die italienische Regierung hat sich auf einen Entwurf für die Haushaltsplanung für das kommende Jahr geeinigt. Das Kabinett stimmte den Plänen am Montagabend …
Regierung in Rom einigt sich auf Haushaltsentwurf
McDonald‘s: „Ihre Bestellung bitte“ - und plötzlich steht der Vorstandschef am Tresen
Am Freitag hat sich wohl so mancher McDonald‘s-Kunde gewundert - sofern er denn genau hingesehen hat. In einer Münchner Filiale stand nämlich jemand ganz besonderes …
McDonald‘s: „Ihre Bestellung bitte“ - und plötzlich steht der Vorstandschef am Tresen
Razzia bei Opel - Regierung will Rückruf von 100.000 Autos
Bloß nicht auffallen, lautete lange die Devise des Autobauers Opel im Diesel-Skandal. In der Sanierung haben die Rüsselsheimer eigentlich genug mit sich selbst zu tun. …
Razzia bei Opel - Regierung will Rückruf von 100.000 Autos
Dax erholt sich - Viele Hürden bleiben im Weg
Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Kurseinbruch in der Vorwoche hat sich der Dax am Montag vorwärts bewegt. Der Leitindex fiel mit 11.459 Punkten zunächst auf den tiefsten …
Dax erholt sich - Viele Hürden bleiben im Weg

Kommentare