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Bei jedem Tankvorgang können Autofahrer feststellen, ob ihr Fahrzeug in Wahrheit mehr verbraucht hat, als die Angaben im Prospekt versprachen. In den letzten Jahren hat sich das Missverhältnis sogar noch verschärft.

Unabhängige Forschergruppe ICCT

Studie: Spritverbrauch 42 Prozent über der Norm

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Der wirkliche Spritverbrauch von Autos hat sich in den letzten Jahren zunehmend von den amtlichen Verbrauchsmessungen entfernt. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie der Umweltorganisation ICCT.

Berlin – Spätestens seit der Aufdeckung der VW-Dieselaffäre ist der „International Council for Clean Transportation“ (ICCT) eine Größe im Umweltschutzbereich. Nun hat die US-Organisation mit Deutschland-Sitz in Berlin eine Studie vorgestellt, die die Entwicklung des realen Spritverbrauchs von Autos im Vergleich zu den offiziellen (im Labor ermittelten) Verbrauchswerten nach dem „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ (NEFZ) untersucht. Das wenig überraschende Ergebnis: Beides klafft seit jeher auseinander. Besorgniserregend ist eher die Entwicklung: Seit 2001 hat sich die Diskrepanz von 9 auf 42 Prozent mehr als vervierfacht.

Für Autofahrer, die auf den Verbrauch ihres Fahrzeugs achten, ist das nicht neu: Um die Jahrtausendwende war es bei zurückhaltender Fahrweise in der Regel möglich, die offiziellen Verbrauchswerte zu schlagen. Das wurde aber von Jahr zu Jahr und mit jedem Modellwechsel schwieriger.

Diese Entwicklung haben auch frühere Erhebungen aufgezeigt. Das wurde durch die ICCT-Studie bekräftigt. Dabei greift die Organisation nicht auf eigene Messungen zurück. Sie übernimmt – teilweise bereits öffentlich zugängliche – Daten aus völlig unterschiedlichen Quellen. Dazu gehören die Fachzeitschrift „Auto Motor & Sport“ ebenso wie das Internet-Portal Spritmonitor.de und der Touring Club Schweiz. Weil auch Daten von Leasinggesellschaften wie LeasePlan eingeflossen sind, ließ sich sogar zwischen Firmen- und Privat-Fahrzeugen differenzieren. Hier der erste signifikante Unterschied: Die durchschnittliche Abweichung von Firmenfahrzeugen liegt bei 45 Prozent, die von Privatautos bei 39 Prozent.

Da überdurchschnittlich viele Premium-Fahrzeuge als Dienstwagen unterwegs sind, passt das auch zu einer zweiten Erkenntnis der Studie: Bei Nobelherstellern liegt die Verbrauchswirklichkeit noch deutlicher über den Normwerten. Das gilt nicht nur für Mercedes, BMW und Volvo, sondern auch für Audi – also Autos mit den gleichen Motoren, wie die der näher an der Wirklichkeit liegenden Konzernmutter VW. Das legt eine Erklärung nahe: Da Premium-Modelle meist üppiger motorisiert sind als Massen-Fahrzeuge, verleiten die enormen Leistungsreserven auch eher zum – normverbrauchswidrigen – beherzten Tritt aufs Gaspedal.

Plugin-Hybrid-Modelle weichen deutlicher vom Norm-Verbrauch ab als Autos nur mit Verbrennungsmotor

Keine Überraschung dagegen: Plugin-Hybrid-Modelle weichen deutlicher vom Norm-Verbrauch ab als Autos nur mit Verbrennungsmotor. Hier wirken schließlich zwei Faktoren, die sich verstärken: Weil die elektrische Reichweite kürzer ist, als die Norm vorgibt, setzt der Verbrennungsmotor eher ein, der damit schon früher mehr Sprit schluckt als angegeben.

Dass die Differenz zwischen Normverbrauch und tatsächlichem Spritkonsum immer größer werden muss, ist nicht ausgemacht. Allein im letzten Jahr finden sich in der Auswertung, die auf „Spritmonitor“ zurückgeht, drei Baureihen, bei denen die Abweichungen sogar schrumpften. Beim 5er BMW (von 50 auf 47 Prozent), beim Renault Twingo (von 40 auf 34 Prozent) und beim VW Polo (von 40 auf 37 Prozent).

Der ICCT schlägt vor, sich bei den Verbrauchswerten an den USA zu orientieren. Dort gibt es zwei Verbrauchsmaßstäbe. Die für die Zulassung gültigen Werte weichen ähnlich deutlich von den wirklichen Werten ab wie die NEFZ-Angaben in der EU.

Für diese Zahlen interessiert sich aber kaum jemand. Für Kunden entscheidend ist dagegen ein zweiter Wert, den die Umweltbehörde EPA anhand echter Messungen gesondert ermittelt. Er liefert Verbrauchern eine realistische Information über den Benzindurst von Autos. Die von der EPA veröffentlichen Verbrauchswerte waren im Schnitt seit 2008 sogar höher als der Verbrauch, den Autofahrer in Wirklichkeit erreichten.

Doch auch in Europa verändern sich die Angaben deutlich. Für die Typprüfung ganz neuer Modelle gilt in der EU bereits seit September statt NEFZ die wirklichkeitsnähere „Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“ (WLTP), die ab September des kommenden Jahres auch für alle neu zugelassenen Fahrzeuge der gültige Verbrauchsmaßstab wird.

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