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Studienbeginn: Das Finanzamt zahlt mit

München - Studenten können sich schon während ihres Studiums einige tausend Euro für die Zukunft sichern. Wie das geht, zeigen wir im zweiten Teil unserer Serie zum Studienbeginn.

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Wie Studenten kein Geld verschenken

Studenten sollten sich die vielen tausend Euro für ihr teures Studium als steuerlichen Verlust für spätere Zeiten gutschreiben lassen. Die Chance, diese Kosten einmal voll mit dem Gehalt der ersten Berufsjahre verrechnen zu können, solle sich keiner entgehen lassen, rät Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Es lohne sich. Berufsanfänger könnten so ihre Steuerlast erheblich drücken. Wie bei der Pendlerpauschale könnten die Ausgaben fürs Erst-Studium schon bald besser steuerlich absetzbar sein, erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Ein Schuhkarton für jedes Jahr

Für alle, die jetzt nach dem Abitur oder nach Wehr- und Ersatzdienst ein Studium aufnehmen, heißt das konkret: Einen Schuhkarton nehmen und darin regelmäßig Belege sammeln, möglichst nach Jahren geordnet, schlägt Klocke vor. Hinein gehört alles, was im Rahmen des Studiums bezahlt werden muss: Die bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester, Ausgaben für Computer, Bürobedarf, Bücher, Kurse, Prüfungen oder das Binden von Abschlussarbeiten. Die Fahrten zwischen Studentenbude und Uni gehören ebenfalls säuberlich notiert.

Auch Studenten, die schon eine Weile studieren, sollten noch rückwirkend sammeln, was das Zeug hält. Wahrscheinlich sei es möglich, bis zu vier Jahre nachzutragen, betont Expertin Klocke. Gestritten werde noch, ob nicht sogar bis zu sieben Jahre Nachtragsmöglichkeiten drin sein könnten.

Sonderausgabe oder Werbungskosten

Grundsätzlich sollten Studierende wissen: Ihr Erst-Studium kann entweder als Sonderausgabe in die Steuer gepackt werden. Das ist geltendes Recht. Oder sie können frech versuchen, es als Werbungskosten geltend zu machen. Der große Unterschied zwischen beiden Varianten: Sonderausgaben können nur in dem Jahr geltend gemacht werden, in dem sie entstehen, und auch nur bis zu einer Höhe von 4000 Euro pro Jahr. Werbungskosten sind viel vorteilhafter. Ihre Höhe ist unbeschränkt und sie können auch noch in späteren Jahren steuerlich verrechnet werden. Haben Studenten keine oder kaum steuerpflichtige Einnahmen, rentiert sich der Abzug als Sonderausgaben für sie nicht. Wer keine oder kaum Steuern zahlen muss, kann auch nichts absetzen.

Beim schlaueren Weg über die Werbungskosten gibt es derzeit aber noch rechtliche Tücken. Nach wie vor sei unklar, ob die Variante tatsächlich für jedes Erst-Studium gilt, so Klocke. Die Finanzverwaltung lasse sich bereits seit einem Jahr Zeit, das klarzustellen. Beim Bundesfinanzhof (BFH) läuft noch ein Musterverfahren. Die Aussichten seien gut, zeigen sich Steuerexperten zuversichtlich. Wer sich jetzt schon die Chance sichere, könne später voll profitieren.

Verlustbescheinigung für die Zukunft

Und das geht so: Sind die Belege zusammen, müssen sich die Studierenden die Mühe machen, im Rahmen einer Einkommensteuererklärung den Antrag auf Verlustfeststellung auszufüllen, erläutert Marlies Spargen vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Auf der ersten Seite des Mantelbogens muss die „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ angekreuzt werden. In der Anlage N werden die Studienkosten aufgelistet. Das Finanzamt erstellt dann eine Verlustbescheinigung, die in die Zukunft mitgenommen werden kann - wenn alles glatt läuft.

Erkennt das Finanzamt die Werbungskosten nicht an, sollte der Student Einspruch gegen den Bescheid einlegen, rät Nöll. Und zwar mit Verweis auf das Revisionsverfahren beim BFH mit Aktenzeichen VI R 7/10. Außerdem solle das Ruhen des Rechtsbehelfsverfahren nach Paragraf 363, Absatz 2 der Abgabenordnung beantragt werden. Fällt die höchstrichterliche BFH-Entscheidung positiv aus, ist der Student auf der sicheren Seite.

Erststudium nach Berufsausbildung

Kein Problem hat, wer schon eine Berufsausbildung hinter sich hat, danach ein Erst-Studium beginnt und seine kompletten Ausgaben als Werbungskosten in die Steuer packt. Vorausgesetzt, das Studium hat einen Bezug zur künftigen Arbeit. Für diese Studenten ist die Absetzbarkeit bereits seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs von vergangenem Jahr möglich (Az.: VI R 14/07). Erkämpft hatte sie eine Lehrerin aus Niedersachsen, die ihre 6000 Euro Studienkosten in voller Höhe absetzen wollte und nicht nur als Sonderausgaben von 4000 Euro. „Wir rechnen in den kommenden Wochen mit einer entsprechenden Anweisung der Finanzverwaltung“, so Klocke.

Berrit Gräber

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