Stühlerücken im Dax: HVB steigt nach 17 Jahren ab

- München - Für die HypoVereinsbank geht ein Stück Börsengeschichte zu Ende: Nach 17 Jahren wird das Geldhaus vermutlich in Kürze aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) fallen, dem Club der 30 größten börsennotierten Unternehmen in der Bundesrepublik. Den freien Platz nimmt künftig womöglich ein anderes Unternehmen aus München ein.

Christian Stocker, Aktienstratege bei der HypoVereinsbank, ist sich sicher: Wenn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse am kommenden Montag in Frankfurt zusammentrifft, dann werden dessen Mitglieder "zu 99 Prozent" beschließen, dass sein Arbeitgeber ab 17. Dezember nicht mehr im Dax gelistet wird. Tritt tatsächlich ein, was neben Stocker auch andere Analysten als "sehr wahrscheinlich" bezeichnen, geht eine Ära zu Ende.

Denn seitdem das bekannte Börsenbarometer am 1. Januar 1988 erstmals berechnet wurde, wird die HVB darin berücksichtigt; zunächst einzeln als Bayerische Vereinsbank und Hypobank, nach der Fusion 1998 dann unter ihrem jetzigen Namen.

Dass die Bank wahrscheinlich aus dem Dax fällt, liegt an dem Zusammenschluss mit der Unicredit. Mitte November war bekannt geworden, dass die Anteilseigner der HVB 94 Prozent ihrer Aktien in solche der italienischen Bank umgetauscht hatten. Damit sank der Anteil der frei handelbaren HVB-Aktien, des "Free Float", auf nur mehr sechs Prozent. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 1,1 Milliarden Euro - was für den Dax nicht reicht.

Denn wie die Deutsche Börse festgelegt hat, darf nur Mitglied sein, wer bei der Marktkapitalisierung und dem Börsenumsatz mindestens zu den 45 größten Gesellschaften gehört. "Nach unseren Berechnungen fällt die HVB aber bei der Marktkapitalisierung auf Rang 53 zurück", sagt Christian Stocker. Ändert sich daran bis zu der Quartalssitzung des Arbeitskreises nichts mehr, muss die Bank in den M-Dax absteigen. Dieser Index bildet die Kursentwicklung 50 mittelgroßer deutscher Börsen-Unternehmen ab.

Spannend wird, wer das Erbe der HVB antritt. Bestätigt sich auch hier, was Christian Stocker prophezeit, dürfen sich Lokalpatrioten freuen: Die Bank würde dann durch ein anderes Finanzinstitut aus München ersetzt. "Die Hypo Real Estate (HRE) ist der wahrscheinlichste Austauschkandidat", sagt der Aktienexperte. Der Immobilienfinanzierer, der 2003 durch die Abspaltung des Immobiliengeschäfts von der HVB entstand, liegt nach Stockers Angaben bei der Marktkapitalisierung derzeit auf Platz 22 und beim Börsenumsatz immerhin auf Rang 35. Das reicht für einen Aufstieg.

Fidel Helmer, Leiter des Aktienhandels bei der Bank Hauck & Aufhäuser, ist sich allerdings nicht so sicher. Er räumt auch den anderen potenziellen Kandidaten wie Merck (29/33), Puma (31/28) oder der Postbank (34/32) Chancen ein. "Wer aufsteigt, ist letztlich Spekulation", sagt Helmer. Auch bei HRE selber gibt man sich bescheiden: "Wir sind nur ein Kandidat", heißt es.

Trotzdem dürfte die Entscheidung des Arbeitskreis auch dort mit Interesse verfolgt werden. Denn nicht selten quittieren die Börsen einen Index-Aufstieg mit höheren Kursen - und umgekehrt. Allerdings sind die Spekualtionen darüber zum Großteil schon in den Kursen enthalten. So fiel etwa das HVB-Papier Ende vergangene Woche bereits deutlich ab. Fidel Helmer: "Ich gehe nicht davon aus, dass es noch viel Bewegung gibt."

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