Die stumpfen Waffen der Opec

- Wien - Es erinnert ein wenig an die erste Ölkrise: Die Preise steigen und steigen _ doch das Förderländer-Kartell Opec dreht den Ölhahn weiter zu. Doch es gibt einen Unterschied: Das einst so mächtige Kartell kann seine Mitglieder kaum mehr an die Leine nehmen. Die hohe Preise haben ganz andere Ursachen, die langfristig wirken - mit dramatischen Folgen für die Energiewirtschaft.

<P>Um eine Million Barrel täglich liegt nach Angaben des Energie-Informationsdienstes (EID) die Förderung über den festgesetzten Quoten. Um genau diese Menge sollen die Quoten ab 1. April auf 23,5 Millionen Barrel täglich gedrosselt werden. Das hat die Opec bereits im Februar beschlossen. Auf Drängen Saudi-Arabiens bekräftigten die Opec-Ölminister gestern diesen Beschluss. </P><P>Es dürfte aber schwer werden, dieses Vorhaben umzusetzen. Und selbst wenn es gelänge, würde es Wochen dauern. Denn die hohen Ölpreise (bei einem wieder leicht stärkeren Dollar) sind für die Exporteure verlockend. Zudem stehen vor allem die schwächeren Opec-Länder vor einem Dilemma: Wenn sie das gute Geschäft nicht machen, sind andere da. Mit Norwegen und Russland sind große Förderländer nicht an die Kartell-Disziplin gebunden.</P><P>Die hohen Preise haben überdies unterschiedliche Ursachen, wie Rainer Wiek vom EID gegenüber unserer Zeitung erläutert. Während Heizöl (und damit auch Diesel) dem gestiegenen Rohölpreis folge, gibt es für Benzin enorme zusätzliche Nachfrage aus den USA.</P><P>Die Tanks dort sind leer und müssen gefüllt werden. Denn die USA verfügen über zu wenige und veraltete Raffinerien (ein Brand in einem dieser Unternehmen in Texas hat gestern zusätzlich die Preise getrieben). Gleichzeitig gibt es nicht einmal innerhalb der USA einen offenen Markt - die Qualitätsvorschriften wechseln von Staat zu Staat. "Drei Jahre hintereinander hat die hohe Frühjahrsumfrage von jenseits des Atlantiks bereits die Preise auch in Europa hochgetrieben", so Wiek. "Vorräte gelten in den USA als totes Kapital", sagt er.</P><P>Es gibt also weltweit keinen wirklichen Rückgang der Ölproduktion. Aber die Nachfrage steigt. Als eine Ursache der hohen Preise gilt der enorme Energiebedarf im größten Land der Erde; hohe Wachstumsraten haben China zum Energie-Importeur gemacht.</P><P>Das gilt nicht nur für Öl: Hat das Reich der Mitte noch vor wenigen Jahren billige Kohle auf die Märkte geworfen, ist es mittlerweile auf Einfuhren angewiesen. Auch hier ziehen die Marktpreise an. Langfristig dürfte sich dieser Trend sogar verschärfen. Bereits heute wird es etwa für die deutschen Stahlproduzenten schwer, sich auf den Märkten einzudecken. Die Preise steigen weiter. </P><P>Es ist nicht ausgeschlossen, dass die hoch subventionierte deutsche Steinkohle mittelfristig wieder marktfähig wird. Doch angesichts der immer noch vergleichsweise hohen Produktionskosten in Deutschland wird eine Bergbau-Renaissance von Experten bezweifelt. </P><P>Dafür sieht die Industrie für Bergbaumaschinen besseren Zeiten entgegen - weil die maroden Bergwerke in China auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden müssen. Doch dürfte auch die Landwirtschaft mittelfristig profitieren, weil mit steigenden Energiepreisen nachwachsende Rohstoffe konkurrenzfähiger werden.</P>

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