Stunde der Wahrheit: Dax-Firmen präsentieren glänzende Bilanzen

- München - Jedes Jahr im März schlägt für den Dax die Stunde der Wahrheit. Bis zum Ende des Monats legen alle 30 Unternehmen im wichtigsten deutschen Aktienindex ihre Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Und die sieht heuer in den meisten Fällen glänzend aus.

Die meisten Unternehmen, die die Zahlen schon veröffentlicht haben, konnten ihren Gewinn im zweistelligen Bereich steigern. Der Volkswagen-Konzern legte um 61 Prozent zu, BASF um 57 Prozent, die Deutsche Bank um 50 Prozent. Der Chemie-Konzern Bayer machte sogar einen Gewinnsprung von plus 133 Prozent. Lediglich Siemens und Henkel verzeichneten sinkende Gewinne und Infineon meldete erneut Minuszahlen.

Die Unternehmen hätten im vergangenen Jahr von einer deutlichen Lohnzurückhaltung bei den Arbeitnehmern und von einem freundlichen konjunkturellen Umfeld profitiert, urteilt Matthias Jörss, Aktienstratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Auch die Wechselkurse haben nach Darstellung von Jörss zum Unternehmenserfolg beigetragen. "Hauptsächlich konnten die Unternehmen aber durch umfassende Restrukturierungen Kosten sparen und ihre Gewinne steigern", sagt der Experte. "Endlich wurden die Aufgaben angefasst, die eigentlich schon seit der Jahrtausendwende dringend anstehen", stimmt Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu. Denn so wie Volkswagen mit seinem Programm ForMotion, arbeiten fast alle Dax-Unternehmen daran, sich gesundzusparen.

Was zunächst wie Musik in den Ohren der Anleger klingt, könnte 2006 unter Umständen allerdings zu Katzenjammer werden. Wenn die tatsächlichen Einsparungen niedriger ausfallen sollten als bisher erwartet, würden die Aktienkurse nachgeben. Aktienstratege Matthias Jörss sieht das Problem, beruhigt jedoch: "Im Großen und Ganzen haben die Unternehmen so genanntes Erwartungsmanagement betrieben und nur vorsichtige Prognosen gegeben."

Doch neben allen schmerzvollen Sparmaßnahmen sehen die Experten wieder einen Aufwärtstrend. "Die Unternehmen konzentrieren sich

wieder darauf, Wachstum zu generieren, und kaufen Geschäfte hinzu, verstärkt auch im Ausland", lobt die DWS-Fondsmanagerin Susan Levermann. Die Akquisitionen des vergangenen Jahres zeigten, dass die Unternehmen Vertrauen in die konjunkturelle Lage gewonnen hätten. "Die Manager trauen sich wieder unternehmerische Entscheidungen zu treffen", bestätigt Ulrich Hocker, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dass dieser Trend anhält, belegen die neuesten Deals. So einigte sich Linde erst vor kurzem mit dem britischen Industriegashersteller BOC auf einen Übernahmepreis. Der Chemiekonzern BASF kaufte gerade die Bauchemiesparte vom Konkurrenten Degussa und im Übernahmekampf mit dem amerikanischen Katalysatorenspezialisten Engelhard erhöhte BASF sein Angebot.

Auch wenn die Börse diese Einkaufstouren gegenwärtig honoriere, könne es zu Enttäuschungen kommen, sobald die ersten Integrationsergebnisse vorlägen, schränkt Aktienstratege Matthias Jörss von Sal. Oppenheim ein. So musste Adidas-Vorstand Herbert Hainer jüngst eingestehen, dass die frisch erworbene Marke Reebok "nicht dort steht, wo sie stehen sollte". Die Aktie sackte daraufhin zeitweise um 6 Prozent ab. Bei den meisten Dax-Unternehmen dürften sich die Resultate im Laufe der Geschäftsjahre 2006 und 2007 zeigen, schätzt Jörss.

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