Süd-Chemie: Rückschlag für US-Investor

- München - Die US-Investmentgesellschaft One Equity Partners (OEP) hat beim Versuch, die Süd-Chemie AG zu übernehmen, erneut einen Rückschlag erlitten. Vorstand und Aufsichtsrat haben den Aktionären empfohlen, das Angebot von OEP nicht anzunehmen. Zudem haben sich traditionelle Aktionärsfamilien, die nach eigenen Angaben die Mehrheit an der Süd-Chemie besitzen, gegen das Angebot gestellt.

OEP bietet je Süd-Chemie-Aktie 35 Euro, nachdem ein neutrales Gutachten einen Wert von 32,20 Euro ergeben habe. Der Kurs der Aktie liegt jedoch deutlich höher - gestern zeitweise bei knapp 44 Euro. Der Vorstand von Süd-Chemie hat deshalb die Deutsche Bank mit einem eigenen Gutachten beauftragt, der Aufsichtsrat engagierte die Investmentbank Goldman Sachs. Beide Gutachten beruhten - im Gegensatz zu dem von OEP - auf internen Daten und kämen auf einen höheren Wert, teilte Süd-Chemie mit. Das Angebot von OEP sei "aus finanzieller Sicht nicht angemessen". Zudem fordern die Gremien eine Zusage von OEP, dass die Süd-Chemie-Anteile nicht an einen Chemiekonzern weiterverkauft werden.

Derartige Pläne bestreitet die Investorengruppe, hält sie sich aber im offiziellen Angebot offen. Ein OEP-Sprecher will das als formaljuristische Feinheit abtun, für einen Süd-Chemie-Sprecher handelt es sich dagegen um "einen wesentlichen Punkt". Das Unternehmen arbeite für viele Chemiekonzerne. Wenn es einem davon als Beteiligung zuzurechnen sei, wäre die enge vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den anderen gestört. "Wenn die Unabhängigkeit nicht gewährleistet ist, wird massiv Umsatz eingebüßt", sagte er. Ähnlich verfahren ist der Streit um den Angebotspreis. OEP fordert von Süd-Chemie, die Studien offenzulegen und zu erklären, worauf die höhere Bewertung basiere. Man sei bereit, bei weiteren Informationen "die Angemessenheit des Angebotspreises zu überprüfen".

Doch Süd-Chemie lehnt das ab. OEP müsse sein Angebot erhöhen, dann werde man es erneut bewerten. OEP will "weiter mit Aktionären sprechen", um sie zu überzeugen. Bei den traditionellen Aktionärsfamilien ist der Investor aber angeblich schon abgeblitzt.

"Die Traditionsaktionäre wollen, dass Süd-Chemie unabhängig bleibt", erklärte Karl Wamsler gegenüber dieser Zeitung. Der Ehrenvorsitzende ist selbst an dem Unternehmen beteiligt und sieht sich als Sprecher der langjährigen Anteilseigner-Familien, die mitunter auf die Unternehmensgründer zurückgehen. "In der Geschichte der Süd-Chemie hat es öfter Angriffe auf die Aktionärsstruktur gegeben. Aber wir haben das immer abgewehrt."

Da man auf mehr als 50 Prozent der Anteile komme, glaube man nicht, dass das OEP-Angebot erfolgreich sein werde. OEP strebt zwar eine einfache Mehrheit an, schließt aber nicht aus, sich auch mit weniger zu begnügen. Mit drei Großaktionären - darunter Allianz und Bayerische Landesbank - hatte man sich im Vorfeld auf die Übernahme der Anteile in Höhe von insgesamt 39 Prozent geeinigt. Der Vertrag enthält allerdings eine Rücktrittsklausel, falls man damit nicht die Mehrheit erreichen sollte.

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