Süddeutscher Verlag geht mehrheitlich an SWMH

München/Stuttgart - Nach monatelangem Tauziehen wird der Süddeutsche Verlag mit seinem Flaggschiff "Süddeutsche Zeitung" an die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) mit Sitz in Stuttgart verkauft.

Die Eigentümer-Familien des Süddeutschen Verlags, Goldschagg, von Seidlein, Schwingenstein und Dürrmeier werden ihre Anteile von insgesamt 62,5 Prozent an die SWMH verkaufen, teilte der Verlag am Freitag mit. Sie gingen zum 29. Februar 2008 an die neuen Eigentümer über, die dann insgesamt 81,25 Prozent hielten. Die "Süddeutsche Zeitung" ist mit einer Auflage von 431 500 Exemplaren in Deutschland Marktführer unter den überregionalen Blättern.

Die Stuttgarter SWMH war 2002 während der Zeitungskrise als Gesellschafter mit 18,75 Prozent in München eingestiegen und hatte sich ein Vorkaufsrecht für die Mehrheitsanteile gesichert. Die SWMH hatte am 5. Dezember die Transaktion beim Kartellamt angemeldet. In den vergangenen Monaten hatten auch die Unternehmensgruppe M.DuMont Schauberg ("Kölner Stadt-Anzeiger"), Holtzbrinck ("Die Zeit") und die WAZ-Gruppe sowie Finanzinvestoren Interesse an dem Süddeutschen Verlag angemeldet.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, wie "sueddeutsche.de" am Freitag weiter mitteilte. Nach Angaben der Gesellschafter liege der Preis jedoch deutlich über einem früheren Angebot der SWMH. Vor wenigen Monaten hatte diese angeboten, für 62,5 Prozent des Verlages knapp 470 Millionen Euro zu bezahlen. Die Gesellschafter der SWMH gaben am Freitag keine Erklärung zum Kauf ab.

Hauptgesellschafter der SWMH sind mit je 44,36 Prozent die Medienunion GmbH Ludwigshafen und die Gruppe Württembergischer Verleger. Hinter der Medien Union steht die Verleger-Familie Schaub, der unter anderem die Tageszeitung "Die Rheinpfalz" gehört. In der Gruppe Württembergischer Verleger soll der Ulmer Zeitungsverleger Eberhard Ebner den größten Anteil haben. Ebner gibt unter anderem die "Südwest Presse" in Ulm heraus.

Neben der SWMH hielten bisher die Familien Goldschagg, von Seidlein und Friedmann jeweils 18,75 Prozent. Die Familie Schwingenstein hatte 16,67 Prozent und die Familie Dürrmeier 8,33 Prozent. Mit dem Kauf sollen auch die Gerichtsverfahren zwischen den Alt-Gesellschaftern und der SWMH beigelegt werden. Die Familie Friedmann hatte den Verkauf ihrer Anteile von Anfang an abgelehnt.

Der Süddeutsche Verlag hatte im Geschäftsjahr 2006 den Überschuss nach eigenen Angaben um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 35,1 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz des Verlags lag bei 709,3 Millionen Euro. Der Süddeutsche Verlag ist Mehrheitsgesellschafter der Zeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl mit mehreren Regionalzeitungen in Nordbayern und Südthüringen, darunter die "Frankenpost", "Freies Wort", "Neue Presse", "Südthüringer Zeitung" und "Meininger Tageblatt".

Die Südwestdeutsche Medien Holding hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie den Verleger des "Schwarzwälder Boten", Richard Rebmann, zu ihrem neuen Geschäftsführer berufen hat. Rebmann (49) tritt an die Stelle von Jürgen Dannenmann, der zum 31. Dezember 2007 aus Altersgründen ausscheidet. Rebmann wird künftig auch Geschäftsführer der neu gegründeten Zwischenholding Mediengruppe Süd GmbH mit Sitz in Stuttgart sowie der "Stuttgarter Zeitung", der "Stuttgarter Nachrichten" und weiterer Gesellschaften. Die Familienholding Schwarzwälder Bote GmbH & Co. KG bringt den Angaben zufolge ihre 90- prozentige Beteiligung an der Schwarzwälder Bote Mediengesellschaft mbH (SBM) in die neu gegründete Zwischenholding ein. Die SWMH werde mit 82 Prozent an der Zwischenholding beteiligt sein, die Schwarzwälder Bote GmbH & Co. KG mit 18 Prozent.

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