Der Süden, das Weißbier und die Position der Stärke

- München - Bevor auf dem Oktoberfest o'zapft is, wurde bei Spaten-Löwenbräu schon auf das große Geschäft angestoßen. Der belgische Biergigant Interbrew kauft den zweitgrößten Brauer Münchens für rund eine halbe Milliarde Euro auf. Schon bei der Wiesn 2004 soll das Geschäft abgeschlossen sein, das nach Darstellung der Beteiligten nur Gewinner hat.

<P>Sechs Wochen lang hatte Spaten-Chef Jobst Kayser-Eichberg mit Interbrew-Verhandlungsführer Gauthier de Biolley um den großen Deal gerungen. "Wir haben viele Tage und manche Nächte verbracht", berichtete Kayser-Eichberg schmunzelnd - er hat es seinem Mitstreiter wohl nicht leicht gemacht. Als "strategische Partnerschaft" und "Zusammenschluss" verkaufte Interbrew brav die Übernahme der Münchner Brauerei mit den Marken Spaten, Löwenbräu, Franziskaner sowie dem baden-württembergischen Dinkelacker. Belehrungen bei der Darstellung von Geschäftszahlen durch den Spaten-Chef überging der Belgier ohne mit der Miene zu zucken. </P><P>Und als ein Journalist mutmaßte, dass der Preis von 477 Millionen Euro sehr stolz sei, beteuerte Interbrew-Boss John Brock ohne Murren, er glaube, dass der Preis "fair und vernünftig" ist, während sich Kayser-Eichberg auf dem Stuhl daneben zurücklehnte. Der persönlich haftende Gesellschafter von Spaten hatte wohl die Position der Stärke, die er sich für Verkaufsverhandlungen mit einem internationalen Bierriesen gewünscht hatte.</P><P>Jetzt, da Kayser-Eichberg für das laufende Geschäftsjahr ein "substanzielles Wachstum" in Aussicht stellen konnte und die Marke Franziskaner erstmals über eine Million Hektoliter in einem Jahr absetzte, hatte er gute Karten beim Poker um die Brauerei-Übernahme. Das hätte sich wohl bald geändert. "Den Widrigkeiten, denen wir ausgesetzt sind, allein zu begegnen, wird immer schwieriger", bilanzierte der Spaten-Chef. Dosenpfand und Lkw-Maut seien die jüngsten Stichworte für die verhärteten Bedingungen in der deutschen Braulandschaft. Die ist ohnehin geprägt von rückläufigen Absatzzahlen. Der größte Biermarkt Europas schrumpft. Beim Kampf mit diesen Schwierigkeiten sucht Spaten Schutz in den Armen von Interbrew. Die werden die Brauerei liebevoll umfangen, aber nicht zerdrücken. So stellten es die Bier-Barone zumindest dar.</P><P>Interbrew-Vorstandschef Brock lobte die "großartigen Marken" und zeigte sich "sehr stolz", diese in sein Imperium eingliedern zu können. Dem zweitgrößten Brauer der Welt, der schon Beck's, Diebels und Gilde übernommen hat, fehlten noch zwei wichtige Teile in seinem Deutschland-Puzzle: "Der Süden und Weißbier." Beides deckt Spaten-Franziskaner ab. Und das soll so bleiben. "The world's local brewer" - der lokale Brauer der Welt - nennt sich der Konzern. "Und wir meinen das auch so", beteuerte Brock. "Wir vergessen nicht, dass die Marken in ihrer Tradition verwurzelt sind." Auch Kayser-Eichberg pflichtete dem bei. "Ich kenne keinen internationalen Braukonzern, der ähnlich wie Interbrew auf lokale Präsenz setzt", versicherte er. Und der Deutschland-Vertreter von Interbrew, Michael Beck, versprach "keine Diskussion bezüglich Mitarbeitern". Die 830 im Braubereich Beschäftigten müssten sich um ihre Arbeitsplätze keine Sorgen machen. Sonst bliebe wohl ein bitterer Nachgeschmack des großen Bier-Geschäfts.<BR></P>

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