Südfleisch-Holding am Haken

- München - Seit Monaten kursieren Gerüchte in der Branche. Nun ist es so gut wie sicher: Die Südfleisch AG begibt sich unter das Dach des holländischen Schlachthof-Multis Sovion (früher "Bestmeat"). Da dieser bereits den Südfleisch-Konkurrenten Moksel übernommen hat, gilt die Schließung von Standorten als sicher.

Man befinde sich in der entscheidenden Phase der Verhandlungen, heißt es. Ein Abschluss sei nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen. Während die Südfleisch-Zentrale zu dem Thema eisern schweigt, werden von den Betroffenen bereits die Folgen einer Übernahme abgeschätzt. "Das wird ein Tal der Tränen", sagt Hans Hartl, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Bayern. Er rechnet damit, dass von 5800 Beschäftigten der beiden großen Fleischverarbeiter schrittweise rund 500 Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben.

Doch auch der Gewerkschafter, nebenher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Südfleisch, sieht keine andere mögliche Lösung: Das hoch verschuldete Unternehmen könne die gegenwärtige angespannte Lage "aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen".

Man brauche deshalb einen strategischen Partner. Dieser strebt nach der Übernahme von Nordfleisch und Moksel nun die Vorherrschaft in Deutschland an. Beide Unternehmen sind ähnlich strukturiert. Sovion wird von niederländischen Bauern gehalten. Südfleisch gehört mehrheitlich über drei Vermarktungsgenossenschaften 40 000 Rinder- und Schweinezüchtern, die ohnehin unter dem Preisverfall leiden und bereits in der Vergangenheit einen großen Teil ihres eingesetzten Aktienkapitals abschreiben mussten.

Es gilt in der Branche auch als ausgemacht, dass ganze Schlachthof-Standorte mittelfristig verschwinden. Südfleisch und Moksel verfügen beispielsweise in Niederbayern unter anderem über Schlachthöfe in Vilshofen, Pfarrkirchen, Landshut und Straubing. Keiner davon ist ausgelastet. Man müsse, so Aufsichtsratsvize Hartl, nur eine Landkarte nehmen, um die Folgen zu sehen. Allerdings sei noch nicht abzusehen, welcher der Schlachthöfe übrig bleibt. Ähnlich wie in Niederbayern sieht es in der Oberpfalz aus: Furth im Wald (Moksel) und Cham (Südfleisch) dürften als konkurrierende Standorte künftig nicht mehr zu halten sein. Einer der Schlachthöfe wird wohl geschlossen werden. Weniger eng geht es bei den oberbayerischen Schlachthöfen von Südfleisch in Waldkraiburg und Traunstein zu.

Neben der Südfleisch GmbH, die die Schlachthöfe betreibt, finden sich unter dem Dach der Südfleisch Holding der Fleischverarbeiter Lutz und die sächsische Südostfleisch. Auch in der Vergangenheit wurden bereits massiv Arbeitsplätze abgebaut. Der Südfleisch-Schlachthof in Ansbach wurde geschlossen, in Pfarrkirchen wurde massiv Personal abgebaut. Die Gewerkschaft setzt auch diesmal auf sozialverträgliche Lösungen und hofft darauf "soviel wie möglich vernünftige Arbeitsplätze zu erhalten", die auch langfristig sicher seien.

Eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen spielt die DZ-Bank, größter Gläubiger von Südfleisch. Allerdings müssen auch die Viehvermarktungsgenossenschaften, die 84,61 Prozent der Anteile halten, einem Verkauf an Sovion zustimmen.

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