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Containerschiff verstopft Suezkanal: Kapitän fuhr vor dem Unfall ein Muster ins Meer - und das hat es in sich

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Von: Markus Hofstetter

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Der Suezkanal ist durch die „Ever Given“ gesperrt. Die Blockade dauert an. Vor der Einfahrt in den Suezkanal fuhr das riesige Containerschiff einen heißen Kurs.

Update vom 26. März, 10.01 Uhr: War das Absicht oder nur ein Zufall? Ein Video auf Youtube zeigt den Wartekurs der „Ever Given“, bevor sie am Dienstag in den Suezkanal eingelaufen ist. Während sich die anderen Schiffe kaum bewegen, fährt das riesige Containerschiff munter herum. Schaut man das Video bis zum Ende an, kommt das Bild eines Penis zum Vorschein. Darauf aufmerksam gemacht hat Vesselfinder, ein Unternehmen das Services rund um die Schifffahrt anbietet.

Das Management des Frachters sieht darin nichts Verwerfliches. Ein Sprecher von Bernhard Schulte Shipmanagement sagte dem Spiegel: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schiffe, die auf die Einfahrt warten, vorher herummäandern.“ Wenn dem wirklich so ist, ist der Navigator der „Ever Given“ unbeabsichtigt zu einem Künstler geworden. Der Frachter wartet immer noch darauf, wieder flott gemacht zu werden.

Suezkanal-Blockade: Bergung des havarierten Containerschiffes dauert an

Update vom 26. März, 8.50 Uhr: Die Bergung des im Suezkanal seit Tagen feststeckenden Frachters dürfte sich über das Wochenende hinaus hinziehen. Die Arbeiten, um das Container-Frachtschiff wieder flott zu bekommen, sollen etwa eine Woche, möglicherweise auch länger dauern, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag. Die Agentur berief sich auf namentlich nicht genannte Quellen. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte zuvor einen Vertreter der ägyptischen Regierung, dessen Einschätzung kürzer ausfällt (siehe Update vom 26. März, 8.09 Uhr).

Die Schifffahrt auf dem Kanal ist bis auf weiteres eingestellt. Dadurch hat sich ein langer Stau gebildet. Am Ölmarkt war es zuletzt zu kräftigen Preis-Schwankungen gekommen, da der Suezkanal auch für den internationalen Ölhandel eine hohe Bedeutung hat.

Update vom 26. März, 8.09 Uhr: Die Blockade des Suez-Kanals durch ein festgefahrenes Containerschiff (siehe Erstmeldung) dauert nach Angaben eines Vertreters der ägyptischen Regierung entgegen anderer Einschätzungen höchstens noch drei Tage. Die Schifffahrt auf dem Kanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer werde „binnen 48 bis 72 Stunden höchstens wieder aufgenommen“ werden, sagte der Berater von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi für Seehäfen, Mohab Mamisch, am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP.

Als ehemaliger Chef der Behörde für den Suez-Kanal habe er bereits mehrere Bergungsaktionen miterlebt, führte Mamisch aus. „Ich kenne jeden Zentimeter des Kanals. “

Der Eigentümer, die japanische Leasingfirma Shoei Kisen Kaisha, hatte vor Mamischs Äußerungen mitgeteilt, es sei „extrem schwierig“, die „Ever Given“ wieder flott zu bekommen. Die Kanalverwaltung entsandte mehrere Schlepper, auch ein Team der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage machte sich auf den Weg. Der Chef der Mutterfirma Boskalis, Peter Berdowski, sagte dem niederländischen Sender Nieuwsuur, das Containerschiff wieder in Bewegung zu setzen, könne „Tage oder Wochen dauern“.

Suezkanal-Blockade: Auswirkungen auf den Hamburger Hafen

Update vom 25. März, 9.31 Uhr: Die Havarie des Containerfrachters „Ever Given“ im Suezkanal sorgt auch im Hamburger Hafen für Ärger. Je länger der Stau dauere, „desto ruhiger wird es im Hamburger Hafen werden“, so Christian Denso, Sprecher des Verband Deutscher Reeder (VDR) gegenüber der dpa. Danach kämen die Schiffe dann jedoch geballt.

Die „Ever Given“ ist in Hamburg keine Unbekannte. Im Jahr 2019 verursachte sie eine Kollision mit einer Fähre. Der Frachter war am 9. Februar 2019 vom Kurs abgekommen und hatte am Anleger Blankenese die Hafenfähre „Finkenwerder“ zusammengedrückt. Wind aus Südwest hatte den Ermittlungen zufolge die Kollision begünstigt. Zudem habe ein Sog das Heck des Frachters in Richtung Elbufer gezogen. An Fähre und Anleger entstand Sachschaden in Höhe von rund einer Million Euro.

Suezkanal-Blockade: Acht Schlepperboote arbeiten den der Befreiung des havarierten Containerschiffs

Update vom 24. März, 21.52 Uhr: Nach der Strandung eines Containerschiffs im Suezkanal ist es Schlepperbooten gelungen, den Frachter zu bewegen. Wartende Schiffe sollen wieder fahren dürfen, sobald er in eine andere Position gebracht wird, teilte das Seefahrts- und Logistikunternehmen GAC unter Berufung auf die ägyptische Suezkanal-Behörde am Mittwoch mit. Der Frachter sei laut der Behörde am Dienstag auf Grund gelaufen, weil der Kapitän schlechte Sicht wegen eines Sandsturms hatte.

Acht Schlepperboote sind nach Angaben der Suezkanal-Behörde im Einsatz, um den Frachter zu befreien. Wind und die Größe des Schiffs erschweren ihre Arbeit laut GAC jedoch. Nach Angaben der Schiffsradare handelt es sich um den Frachter „Ever Given“. Laut vesselfinder.com ist er 400 Meter lang und knapp 59 Meter breit. Das 2018 gebaute Schiff fahre unter der Flagge Panamas, es sei aus China gekommen und auf dem Weg nach Rotterdam in den Niederlanden. Nach Expertenangaben gehört der Frachter zu den größten Containerschiffen der Welt.

Suezkanal-Blockade: „Je länger die Sperrung dauert, desto drastischer werden die Auswirkungen“

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hofft auf ein möglichst schnelles Ende der Blockade. „Je länger die Sperrung andauert und je länger die Ungewissheit andauert, desto drastischer werden die Auswirkungen dieser Sperrung sein“, sagte Verbandssprecher Christian Denso der dpa. Das Hauptproblem sei, dass niemand wisse, ob sich der Umweg um das Kap der Guten Hoffnung lohne.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnte vor steigenden Kosten für Unternehmen, die auf Seetransporte angewiesen sind. Lieferketten gerieten unter anderem wegen der unpünktlichen Schiffe ins Stocken, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. Die Lage im internationalen Container-Seeverkehr sei ohnehin angespannt, die Blockade verschärfe sie nun noch einmal.

Riesiges Containerschiff im Suezkanal havariert

Erstmeldung vom 24. März: Eine der wichtiges Wasserstraßen der Welt ist in beiden Richtungen gesperrt. Am Dienstag ist ein riesiges Containerschiff im Suezkanal auf Grund gelaufen und hat sich quergelegt. Der taiwanesische Betreiber Evergreen Marine nennt nach AFP-Angaben als möglichen Grund eine Windböe, die den Frachter vom Kurs abgebracht hat. Das betroffene Schiff, die 400 Meter lange und 59 Meter breite „MV Ever Given“, war von China in die Niederlande unterwegs.

Schleppern und Baggerfahrzeugen ist es bisher nicht gelungen, den Frachter aus seiner festgefahrenen Lage zu befreien. Es könnte laut der ägyptische Suezkanal-Behörde Tage dauern, bis die Schifffahrtsstraße wieder frei ist. Inzwischen soll sich ein Stau von über 100 Schiffen gebildet haben, die den Kanal passieren wollen.

Dieses Satellitenbild von Planet Labs Inc. zeigt das Frachtschiff MV Ever Given, das im Suezkanal auf Grund gelaufen ist und seither die wichtige Schifffahrtsstraße zwischen Asien und Europa blockiert.
Die MV Ever Given liegt quer im Suezkanal © Planet Labs Inc./picture alliance/dpa/AP

Suezkanal-Blockade: Ölpreise steigen

Die Ölpreise haben am Mittwoch auf die Panne reagiert. Am Morgen stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent im Vergleich zum Vortag um 84 Cent auf 61,63 US-Dollar. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) erhöhte sich um 62 Cent auf 58,38 Dollar.

Erst am Dienstag hatten die Erdölpreise den tiefsten Stand seit Anfang Februar erreicht. Hauptursache waren Sorgen um die sinkende Rohölnachfrage aufgrund möglicher wirtschaftlichen Belastungen durch steigende Corona-Infektionen, vor allem in Europa.

Suezkanal wird von 19.000 Schiffen genutzt

Der Suezkanal verkürzt die Fahrt von Asien nach Europa über das Rote Meer und das Mittelmeer. Die Durchfahrt durch den rund 200 Kilometer langen Kanal kostet pro Schiff umgerechnet 250.000 Euro. Nach Angaben der Suezkanal-Behörde passierten im vergangenen Jahr fast 19.000 Schiffe mit insgesamt über einer Milliarde Tonnen Fracht den Kanal. Der Suezkanal wurde erst vor wenigen Jahren erweitert.

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