Super-November nährt Hoffnung auf echte Wende am Arbeitsmarkt

- Nürnberg/Berlin -­ Nach überraschend guten November-Zahlen mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit mehr als vier Jahren wächst die Hoffnung auf einen anhaltenden Job-Boom in Deutschland. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) auch für 2007 keineswegs ein Ende des Arbeitsmarktaufschwungs.

Die Arbeitslosigkeit werde im nächsten Jahr von durchschnittlich 4,5 auf 4,3 Millionen sinken, prognostizierte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erwartet selbst von der Erhöhung der Mehrwertsteuer zunächst keinen negativen Einfluss auf den Arbeitsmarkt.

Die stabile Konjunktur und das ungewöhnlich milde Spätherbstwetter haben die Arbeitslosigkeit in Deutschland erstmals seit vier Jahren unter die Vier-Millionen-Marke gedrückt. Laut BA waren im November 3 995 000 Männer und Frauen ohne Arbeit; das sind entgegen dem sonst im November üblichen Trend 89 000 weniger als im Oktober und 536 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 9,6 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 10,9 Prozent gelegen.

Ähnlich optimistisch wie die Führung der Bundesagentur und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) beurteilt auch das Hamburgische Weltwirtschaftsarchiv (HWWA) nach Angaben der "Netzeitung" die künftige Arbeitsmarkt-Entwicklung. Der aktuelle positive Trend werde sich 2007 "in abgeschwächter Form fortsetzen", erklärte der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts, Thomas Straubhaar. Die Arbeitslosigkeit werde im kommenden Jahr noch einmal um gut 200\x0f000 zurückgehen. Trotz der Mehrwertsteuererhöhung blieben die Rahmenbedingungen positiv.

Der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise machte neben dem wirtschaftlichen Aufschwung auch die Arbeitsmarktreformen für die gute Entwicklung verantwortlich. "Die Mühen haben sich gelohnt", betonte der BA-Chef mit Blick auf die umstrittene Hartz-IV-Reform. Allerdings hat der Arbeitsmarkt nach Weises Einschätzung im November auch davon profitiert, dass der Herbstaufschwung wegen des guten Wetters bis weit in den November hineinreichte. Dadurch sei der im November übliche Stellenabbau auf dem Bau und anderen Außenberufen ausgeblieben.

Nach Weises Einschätzung profitieren von der guten Arbeitsmarkt-Entwicklung immer stärker auch Langzeitarbeitslose und Jugendliche. So habe die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Bezieher im November um rund 180 000 unter der des Vorjahres gelegen. Die Zahl der erwerbslosen Jugendlichen sei um mehr als 108 000 gesunken. Als Hinweis auf die starken Konjunkturimpulse wertet die Bundesagentur vor allem die unverändert hohe Zahl der freien Stellen. Im November waren bei den Arbeitsagenturen 609 000 unbesetzte Jobs registriert.

In Bayern sank die Zahl der Erwerbslosen um 3300 auf 378 100. Die Arbeitslosenquote blieb gegenüber Oktober unverändert bei 5,8 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 7,0 Prozent. Noch besser stand Oberbayern da, wo die Arbeitslosenquote im Vorjahresvergleich von 6,2 auf 5,0 fiel. Im November waren hier 113 488 Menschen ohne Arbeit. Die niedrigste Arbeitslosenquote hatte wieder der Raum Freising mit 3,2 Prozent. Ministerpräsident Edmund Stoiber freute sich, "dass der Aufschwung bei den Menschen angekommen" sei.

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