Super-Airbus kommt später

- Toulouse - Komfort und Kabinenluxus über den Wolken - die Flexibilität bei der Ausstattung seines neuen Flaggschiffs A380 kostet Airbus mehr Zeit als geplant. Die nochmalige Verzögerung beim Hochlaufen der industriellen Produktion wird für den Hersteller ein teures Vergnügen: Der EADS-Aktienkurs brach am Mittwoch an den Börsen in Frankfurt und Paris zeitweilig um zweistellige Prozentzahlen ein. Der größte europäische Flugzeugbauer büßt heftig an Ertrag ein.

"Wir sind uns der Auswirkungen für die Kunden völlig bewusst", teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. "Der Auslieferungsplan verschiebt sich aus produktionstechnischen Gründen um sechs bis sieben Monate", hieß es bei Airbus. A380-Startkunde Singapore Airlines rechnet nach wie vor damit, Ende 2006 das erste Flugzeug geliefert zu bekommen. "Wir haben vertraglich vereinbart, dass wir die ersten vier Flugzeuge bis März 2007 erhalten", sagte deren Sprecher Peter Tomasch.

Spannend wird es vor allem für Kunden, die dann auf der Produktionsliste stehen: Die australische Qantas und der Großkunde Emirates mit mehr als 40 bestellten A380 folgen. Im Jahr 2008 plant auch die Lufthansa, die ersten A380 einzusetzen. Lufthansa prüft derzeit, ob und wie sich die Auslieferungen verzögern. Airbus hatte angekündigt, im kommenden Jahr voraussichtlich nur neun Flugzeuge ausliefern zu können. Auch in den Jahren 2008 und 2009 könne es zu Verzögerungen kommen. Anfang dieses Jahres hatte Airbus noch mitgeteilt, dass die A380-Fertigung bis 2009 auf vier Maschinen pro Monat hochlaufen solle.

Der Teufel beim A380 steckt im Detail und in der großen Flexibilität des Flugzeuges. Tragflächen, Fahrgestell, Rumpf und Leitwerk sind bei allen A380-Exemplaren weitgehend identisch, ganz gleich, welche Gesellschaft das Flugzeug bestellt. Ein Emirates-Kapitän sitzt auf dem gleichen Pilotensitz wie sein Kollege von Lufthansa oder Qantas.

In der Kabine ist es aber völlig anders: Ausstattung ist für viele Airlines Visitenkarte und knallharter Wettbewerbsfaktor. Dass die flugtechnischen Systeme beim neuen Airbus funktionieren, zeigt der Verlauf des Testprogramms: Die Versuchsflugzeuge absolvierten bisher bereits mehr als 1400 Flugstunden. Dabei wurde der Jet bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit geflogen.

Vor 25 Jahren unterschied sich das Interieur von Linienflugzeugen bei der Farbe der Sitzbezüge oder der Anzahl der Aschenbecher in den Armlehnen. Heute gibt es vielfach verstellbare Schlafsessel, bis zu 400 Videoprogramme in 50 Sprachen, Internet an Bord und zahlreiche weitere Ausstattungsmöglichkeiten. Entsprechend aufwändig ist die Abstimmung zwischen Airbus als Flugzeughersteller, den Fluggesellschaften sowie zahlreichen weiteren Zulieferfirmen für Sessel, Unterhaltungsgeräte und andere Komfortbauteile.

Dazu kommt noch ein umfangreiches Test- und Zertifizierungsverfahren: Flugzeuge gehören aus Sicherheitsgründen zu den am strengsten geprüften Industrieprodukten. Jedes Detail der Kabinenausstattung muss vor dem Passagierflug von den Luftfahrtbehörden zertifiziert sein.

Spannend wird angesichts der Verzögerungen bei Airbus die Frage, ob Boeing jetzt größeres Interesse an der Passagierversion seiner neuen Boeing 747-8 vermelden kann. Bislang war es vergleichsweise gering. Der US-Hersteller hatte die Weiterentwicklung des jahrzehntelang erfolgreichen Jumbo-Jets 2005 angekündigt, um der A380 Konkurrenz zu machen.

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