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Edeka, Lidl und Tegut planen Supermarkt-Revolution - Es wird gespenstisch

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Von: Jonas Raab

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Mehrere Handelsketten testen derzeit völlig neue Einkaufskonzepte. Sie könnten die Einkaufswelt in Deutschland schon bald komplett verändern.

Fulda/München - „Ich würde lieber heute als morgen loslegen“, drängelt Thomas Stäb. Er ist Leiter Convenience-Märkte der Supermarktkette Tegut und wartet sehnlichst darauf, dass über seine Bauanträge entschieden wird, wie er in der Welt erklärt. Stäb will neue Supermärkte eröffnen. Märkte, die rund um die Uhr geöffnet haben und komplett ohne Personal auskommen.

Vier dieser Filialen betreibt der Händler aus Hessen schon: drei in Fulda, einen in einem Dorf in Osthessen. Das neue Ladenformat heißt „Teo“. Zehn bis zwölf dieser digitalen Selbstbedienungsläden sollen zeitnah eröffnen, ehe dann die Expansion ansteht. „Das Ziel sind 200 bis 300 Standorte in den kommenden Jahren“, kündigt der Tegut-Manager in der Welt an.

Edeka, Lidl und Tegut planen Supermarkt-Revolution: So funktioniert der Einkauf von morgen

So funktioniert der Einkauf bei „Teo“: Per EC-Karte oder über einen QR-Code bekommen Kunden Zugang zum 50 Quadratmeter großen Laden und können dort aus rund 950 Produkten wählen – rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. Checkt man mit EC-Karte ein, muss man seinen Warenkorb hinterher an einem Terminal scannen und bezahlen. Wer die „Teo“-App nutzt, kann einzelne Artikel mit dem eigenen Smartphone direkt am Regal einscannen und bezahlt damit automatisch über die hinterlegten Zahlungsdaten. Personal ist nur morgens zum Putzen und zum Befüllen der Regal vor Ort.

Laut „Teo“-Geschäftsführer Thomas Gutberlet sei das die „stationäre Antwort auf Online-Shopping“. Tatsächlich fährt Tegut mit seinen digitalen Selbstbedienungsläden dem Versand-Riesen Amazon in die Parade, der mit seinen „Amazon Go“-Märkten das autonome Einkaufen im angelsächsischen Raum voranpeitscht. In Deutschland ist Amazon mit seinem Angebot aktuell noch nicht vertreten. Das ist allerdings nur eine Frage der Zeit.

Keine Kassen, kein Personal: Neben Tegut bringen sich auch Edeka, Lidl und Kaufland in Stellung

Die deutschen Lebensmittelhändler wollen Amazon das zukunftsträchtige Geschäftsfeld nicht kampflos überlassen. Neben Tegut experimentieren auch andere Branchengrößen mit alternativen Konzepten. Die Schwarz-Gruppe, Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland, installierte jüngst einen Testladen „Shop Box“ am Bildungscampus der Dualen Hochschule der Dieter-Schwarz-Stiftung in Heilbronn. Den Einlass regelt eine Smartphone-App, Sensoren erfassen den Einkauf automatisch und die Abrechnung erfolgt komplett ohne Kasse oder Terminal über den Bezahldienstleister Klarna.

Auch Deutschlands größter Lebensmittelhändler, Edeka, hat sich längst mit einem automatisierten Laden in Stellung gebracht. Im „E 24/7“ am Bahnhof der Kleinstadt Renningen in Baden-Württemberg können Kunden an einem Automaten oder per Smartphone aus rund 300 Artikeln wählen. Roboter(technik) sammelt die Artikel zusammen und bringt sie zu einem Ausgabefach.

Supermarkt-Revolution: „Der Schritt zu automatisierten Läden ist naheliegend“

In anderen Ländern sind solche Konzepte bereits gang und gäbe, vor allem in Amerika und im asiatischen Raum. Deutsche Verbrauchen waren bisher skeptisch. Doch das ändert sich gerade: „Die Corona-Krise treibt die Digitalisierung für jedermann sicht- und spürbar voran. Da ist der Schritt zu automatisierten Läden naheliegend“, sagt Ulrich Spaan, Mitglied der Geschäftsleitung beim Handelsforschungsinstitut EHI der Welt und berichtet von einer stark steigenden Zustimmung bei den Verbrauchern.

Lösen digitale Selbstbedienungsläden also bald die klassischen Filialen von Edeka, Lidl und Co. ab? Nein - zumindest noch nicht, heißt es von der Schwarz-Gruppe. Die neuen Formate seien zunächst reine Forschungs- und Entwicklungsprojekte. „Ob einzelne dieser Konzepte Marktreife erreichen, steht dabei nicht im Mittelpunkt“, erklärt das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Edeka, Lidl und Kaufland: Verschwinden traditionelle Filialen bald?

Auch Experten sind skeptisch, was eine Wachablösung traditioneller Filialen angeht. „Klassische Supermärkte und Discounter werden auf unabsehbare Zeit bestehen“, sagt Ulrich Binnebößel, Experte für Zahlungssysteme beim Handelsverband Deutschland in der Welt. Dennoch gebe es Nischen, in denen solche Märkte Sinn machen und großes Potenzial haben – beispielsweise in besonders hoch frequentierten Lagen oder auf dem Land.

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