Supermarkt-Sterben in Bayern

- München - Der Einkauf im Supermarkt um die Ecke wird in Bayern zum Auslaufmodell. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden rund 1850 Lebensmittelgeschäfte im Freistaat geschlossen, berichtete der Landesverband des Bayerischen Einzelhandels (LBE) am Montag in München.

Derzeit gibt es noch rund 10 000 Supermärkte in Bayern. Ein Ende ist angesichts des Trends zu großen Supermärkten und Einkaufszentren nicht in Sicht. "Wir werden nach wie vor ein Supermarkt-Sterben haben", sagte LBE-Vizepräsident Hans Jürgen Bönsch. Neben den ländlichen Regionen seien davon auch Großstädte betroffen, da der Parkplatzmangel viele Standorte unattraktiv für den Handel mache.

Insgesamt steigerte die Lebensmittelbranche in Bayern ihren Umsatz im vergangenen Jahr auch dank der Fußball-WM um ein Prozent auf 23,2 Milliarden Euro und damit etwas stärker als die Branche in ganz Deutschland. Zu den Gewinnern gehörten vor allem die großen Supermärkte mit einer Verkaufsfläche zwischen 1000 und 3000 Quadratmetern.

Märkte wie Edeka, Tengelmann und Rewe hätten sich mit neuen Geschäften und einem großen Sortiment an frischen Waren profilieren können, sagte Bönsch. Seit den Fleischskandalen lassen sich die Kunden auch gerne wieder an den Verkaufstheken bedienen. "Der Trend geht weg von verpacktem Fleisch", sagte Alfred Peter, Leiter Expansion bei Kaiser"s Tengelmann AG.

Gut entwickelt sich außerdem das Geschäft mit Bio-Produkten. Der Umsatz mit Biokost legte im vergangenen Jahr auf mehr als 800 Millionen Euro zu. Gemessen am gesamten Umsatz von 23,2 Milliarden Euro in Bayern ist dies zwar immer noch ein kleiner Teil. Biologisch angebaute Lebensmittel seien aber weiter auf dem Vormarsch. "Geschmack und Qualität sind wieder angesagt", sagte Bönsch. Durch die wachsende Nachfrage und die Erweiterung des Angebots auch bei Discountern werde das Angebot aber bereits knapper.

Der rasante Vormarsch der Discounter mit zweistelligen Zuwachsraten ist aus Sicht der Experten inzwischen gestoppt. "Es findet im Moment eine Kulturrevolution statt, was das Essen und Trinken betrifft", sagte der Geschäftsführer der Amper Einkaufszentrum GmbH (AEZ), Udo Klotz. Als Zeichen dafür werten die Experten auch die große Zahl der Kochsendungen im Fernsehen.

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