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Shrinkflation: Wie bei Haribo, Rama und Co. jetzt tricksen

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Von: Corinna Maier

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Der Einkauf im Supermarkt oder beim Discounter wird immer teurer – manchmal aber auch leichter: Dann nämlich, wenn Hersteller nichts am Preis ändern, sondern an der Inhaltsmenge.

München – „Shrinkflation“ ist eine Verbindung des englischen Wortes für schrumpfen – to shrink – und Inflation. Über das Phänomen beklagen sich immer mehr Kunden. Denn oft legen es die Lebensmittelhersteller darauf an, dass der Käufer am besten nichts davon merkt, dass er fürs selbe Geld einfach weniger bekommt. Und das macht viele Verbraucher wütend. Die Verbraucherzentrale in Hamburg spürt den Ärger fast täglich.

Die Hamburger sammeln seit vielen Jahren Fälle von sogenannten Mogelpackungen, also Verpackungen, die mehr an Inhalt versprechen, als dann tatsächlich drin ist. Doch in den vergangenen Wochen berichten Kunden von einer wahren Welle von versteckten Preiserhöhungen.

Versteckte Preiserhöhungen: Angst vor Preisgrenze und der Abschreckung von Kunden

Hintergrund sind natürlich die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten sowie die aufwendige Logistik, die fast alle Produkte teurer machen. Um ihre Kunden nicht abzuschrecken, versuchen einige Hersteller offenbar, die Preiserhöhungen zu verbergen. Jedenfalls sollen sie nicht auf den ersten Blick erkennbar sein. Viele scheuen auch davor zurück, gewohnte Preisschwellen von 99 Cent oder 1,99 Euro zu überschreiten. Das betrifft Markenhersteller, in zunehmendem Maß aber auch die Eigenmarken der großen Ketten, erklärt Jana Fischer, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Hier einige Beispiele von Discountern:

- Lammsteaks der Marke Jack´s Farm (Aldi): Hier gibt es nur noch 300 statt zuvor 400 Gramm Fleisch bei gleichbleibendem Preis von 6,99 Euro. Macht eine Preiserhöhung von 33 Prozent.

- Bitter Lemon von Penny: Hier gibt es neuerdings die 1-Liter-Flasche für 49 Cent, vorher wurde das Getränk zu 59 Cent in der 1,5-Liter-Flasche verkauft – Preisanstieg: 25 Prozent.

- Naturgut Bio Holzofen-Pizza: Die Sorte mit Mozzarella, Spinat und Feta kostet jetzt 2,99 Euro statt 2,49. Zudem sank das Gewicht von 460 auf 410. Macht 35 Prozent Preiserhöhung.

- Olivano´s Linsen-Bulgursalat Pikant von Netto: Statt 250 Gramm sind nur noch 200 Gramm in der Verpackung. Der Preis stieg dennoch von 89 auf 99 Cent. Die versteckte Preiserhöhung liegt bei zusammen 39 Cent.

Shrinkflation: Gleicher Preis, weniger Inhalt. Wie bei Haribo, Rama, Calgon und Co. in Supermärkten getrickst wird
Shrinkflation: Wie bei Haribo, Rama und Co. in Supermärkten getrickst wird © Credit: Imago (Montage)

Shrinkflation: Manche Hersteller schrecken vor Doppel-Trick nicht zurück

Solche doppelten Preiserhöhungen haben nach Erkenntnis der Verbraucherschützer ebenfalls stark zugenommen. Markenhersteller sind da aber keineswegs besser.

- Beispiel Pringles von Kellogg: In der Chipspackung sind nur noch 185 statt zuvor 200 Gramm Inhalt. Gleichzeitig haben viele Händler den Preis von 2,59 auf 2,79 Euro erhöht. Beides zusammen ergibt 17 Prozent Preiserhöhung.

- Beispiel Rama: Über den Brotaufstrich beklagen sich derzeit besonders viele Verbraucher. Denn die klassische Packung enthält nicht mehr die gewohnte 500 Gramm, sondern nur noch 400 Gramm, was einer Preissteigerung um 25 Prozent entspricht. Die Dose ist aber von der Größe her gleich geblieben, weshalb sich viele getäuscht fühlen und sehr verärgert reagieren, wie Jana Fischer erklärt.

Rama gehört zu den Produkten, über die Verbraucherschützer besonders viel zu berichten wissen. Das Streichfett wird auch auf andere Art und Weise immer teurer. Zum Beispiel indem Rapsöl durch streichfähiges Wasser ersetzt wird. Im Jahr 2008 bekam man so zum Preis von meist 1,09 Euro eine 500-Gramm-Packung mit 80 Prozent Fett – heute sind es nur noch 400 Gramm mit 60 Prozent Fett zum Preis von 2,19 Euro. Margarine darf sich Rama übrigens seit der Fettreduktion nicht mehr nennen, sondern nur „Dreiviertelmargarine“ oder eben „Streichfett“.

Pringles Chips und Haribo Goldbären: nur zwei von etlichen Produkten, bei denen Hersteller die Inhaltsmenge verkleinern
Pringles Chips und Haribo Goldbären: nur zwei von etlichen Produkten, bei denen Hersteller die Inhaltsmenge verkleinern. © FKN

Versteckte Preiserhöhungen kosten Verbraucher mehr Geld - und schaden der Umwelt

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass solche Praktiken auch der Umwelt schaden. Denn durch die Füllmengenreduzierung werden mehr Becher für die gleiche Menge benötigt. Im Fall Rama müssen für 1000 Tonnen nun eine halbe Million mehr Plastikdosen abgefüllt werden. Ähnlich verfährt der Rama-Hersteller Upfield, der zum US-Finanzinvestor KKR gehört, auch bei anderen Konzernmarken wie Sanella, Becel und Lätta, haben die Verbraucherschützer festgestellt. Generell sei nach deren Ansicht gegen die Verringerung der Füllmenge weniger einzuwenden, wenn diese für die Kunden auch klar erkennbar ist.

- Beispiel Haribo: Auch der Gummibärchen-Hersteller hat die Füllmenge reduziert – und zwar von 200 auf 175 Gramm bei gleichbleibendem Preis von 0,99 Cent. Allerdings ist auch die Verpackung erkennbar kleiner geworden – und die Verkleinerung wurde im Vorfeld angekündigt. Das macht das Verschwinden einiger Goldbären aus Verbrauchersicht erträglicher.

Die transparenteste und verbraucherfreundlichste Methode wäre nach Ansicht von Verbraucherschützerin Fischer aber, eine als nötig erachtete Preiserhöhung einfach auf dem Preisschild auszuweisen und nicht mit Verpackungsgrößen und Füllmengen zu jonglieren. Oder mit Anwendungshinweisen, wie das beim Wasserenthärter von Calgon geschieht. Auf den ersten Blick hat sich weder beim Füllgewicht noch beim Preis etwas geändert. Allerdings: Für den gleichen Härtegrad sind nach der Dosierempfehlung des Herstellers nun bis zu 42 Prozent mehr Pulver notwendig.

Verbraucher-Tipp gegen „Shrinkflation“: Auf den Grundpreis achten

Bei der Verbraucherzentrale befürchtet man, dass noch viele Handelsmarken und Markenartikel die Preistricks anwenden werden – und dass die geringeren Füllmengen beibehalten werden, auch wenn das allgemeine Preisniveau wieder sinkt. Verbrauchern rät sie, immer auf die Grundpreise der Lebensmittel zu achten, die obligatorisch als Preis je 100 Gramm oder je Liter angegeben sind. Dann kann man sein angestammtes Produkt zumindest richtig mit dem der Konkurrenz vergleichen.

Derweil verzichten zwei große Discounter bewusst auf einen Psycho-Trick, der Kundschaften beeinflussen soll.

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