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Die Stars der Münchner Start-up-Szene: Den Gründern des Flugtaxi-Pioniers Lilium ist es auch mit Unterstützung der Start-up-Schmiede UnternehmerTUM gelungen, einen flugfähigen Prototypen herzustellen (links: Daniel Wiegand).

UnternehmerTUM

Milliardärin befeuert Start-up-Boom

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Vor über 15 Jahren hat BMW-Erbin Susanne Klatten gemeinsam mit der TU München eine Start-up-Initiative ins Leben gerufen und die Landeshauptstadt zu einem international anerkannten Gründer-Standort gemacht.

München – Millionen-Zuschüsse der BMW-Erbin Susanne Klatten haben München in den vergangenen Jahren einen regelrechten Start-up-Boom beschert. In der bayerischen Landeshauptstadt gibt es inzwischen kaum noch ein Jung-Unternehmen, das während seiner Gründungsphase nicht in irgendeiner Weise mit Klattens Gründer-Initiative UnternehmerTUM Kontakt hatte. „Die UnternehmerTUM bringt jedes Jahr 50 Start-ups hervor – das ist etwa eines pro Woche“, sagte Helmut Schönenberger, Geschäftsführer der Initiative am Dienstag in München. Die Organisation ist als gemeinnützige GmbH privatrechtlich organisiert, einzige Gesellschafterin ist Susanne Klatten. Darüber hinaus unterstütze Klatten die Initiative mit einem „jährlichen Millionenbetrag“, sagte Schönenberger. Auch andere Firmen bringen das Projekt voran.

Dass die Privatinitiative eine Nähe zu staatlichen Institutionen besitzt, ist allein schon im Namen erkennbar: Die drei Großbuchstaben TUM stehen für die Abkürzung der Technischen Universität München. Ohne deren Kooperationsbereitschaft wäre ein Erfolg der Gründer-Initiative nie möglich gewesen.

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Klatten selbst macht in der Öffentlichkeit kein großes Aufheben um ihre Start-up-Schmiede. Wie ernst es der Großaktionärin von BMW allerdings ist, Experimentierfreude und unternehmerisches Denken von jungen Studenten zu fördern, beweist ihre jährliche Teilnahme am Münchner Technologie-Kongress von UnternehmerTUM in der BMW-Welt. Am Dienstag sprach dort die Milliardärin, die sonst die große Bühne meidet, vor hunderten Jung-Unternehmern und zog 16 Jahre nach Gründung der Initiative eine positive Bilanz: „Es ist der beste Platz für Start-ups in Deutschland“, sagte sie. „Das Netzwerk, das wir hier haben, ist einzigartig.“ Die Idee sei gewesen, das hohe Potenzial der TU München in Geschäftsideen zu verwandeln. Als Vorbild habe das Silicon Valley im US-Bundesstaat Kalifornien gedient. Dort hätten sich auf der anderen Straßenseite des Campus der Universität Stanford in den 90er-Jahren Risikokapitalgeber niedergelassen, um aus den Ideen der Studenten Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Susanne Klatten, BMW-Erbin und Gründerin von UnternehmerTUM.

Dieses Konzept versuchte Klatten im Jahr 2002 nach München zu bringen. UnternehmerTUM will Gründern einen Rundum-Service von der Idee bis zum Börsengang bieten. Über 140 Experten arbeiten inzwischen für die Organisation. Firmen wie der Fernbusvermittler Flixbus oder das Heizungs-Start-up Tado griffen bei ihrer Gründung auf das Fachwissen der Experten zurück. Auch der neue Star der Münchner Start-up-Szene, Daniel Wiegand, profitierte von der Initiative. Wiegand ist Gründer des Flugtaxi-Herstellers Lilium aus Gilching (Landkreis Starnberg). 2022 will der Jungunternehmer seine autonomen Elektroflieger im kommerziellen Betrieb einsetzen – erste Testflüge waren vielversprechend. „Die UnternehmerTUM war für uns extrem wichtig“, sagte Wiegand. „Jeder Gründer kommt irgendwann an den Punkt, an dem er den richtigen Investor braucht.“ Zwar hätte er Lilium auch ohne die Initiative gegründet, die Experten seien aber eine wertvolle Hilfe gewesen.

Wiegand sagte aber auch: „Das Münchner Ökosystem ist 20 Jahre hinterher.“ Hier würde Gründern oft geraten, möglichst viel eigenes Geld in das Start-up zu investieren. „Wir haben damals unsere Eltern und Bekannten angezapft und günstig in WGs gewohnt“, erinnerte sich der Geschäftsführer an die Gründerphase von Lilium. Besser wäre es gewesen, direkt mit Investoren zu arbeiten, die auch bereit seien, große Summen an Kapital bereitzustellen. Wäre das der Fall gewesen, wären die Flugtaxis von Lilium womöglich heute schon in der Luft.

Denn in einem Punkt unterscheidet sich München vom Silicon Valley, glaubt Wiegand: Münchner Start-ups seien oft keine reinen Software-Unternehmen, sondern im Maschinenbau aktiv – und das hat Folgen. Lilium beispielsweise verschlang für die jahrelange Entwicklung eines flugfähigen Prototypen enorme Kapitalsummen – und bis zur Zulassung der Flugtaxis wird weiteres Kapital benötigt.

Und noch ein Problem der Start-up-Szene zeigte sich am Dienstag beim UnternehmerTUM-Kongress: Geschätzt 80 Prozent der jungen Teilnehmer waren männlich. Es ist abzusehen, dass die Unternehmenslenker von morgen Männer sind. „Das ist ein großes Thema, hier müssen wir noch besser werden“, räumte auch Schönenberger ein. Am Geld mangelt es nicht: Erst vor wenigen Wochen hatte die UnternehmerTUM einen zweiten Risikokapitalfonds in Höhe von 82 Millionen Euro aufgelegt – verglichen mit dem ersten Fonds ein Vielfaches an Kapital. Schönenberger erwartet daher auch, dass die Zahl der Gründungen in München weiter steigen wird.

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Von Sebastian Hölzle

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